Mascha Schilinskis Drama „In die Sonne schauen“ hat die 76. Verleihung des Deutschen Filmpreises am Freitagabend in Berlin dominiert. Der Film über vier Generationen Frauen auf einem altmärkischen Hof gewann zehn Lolas, darunter die Goldene Lola für den besten Spielfilm, dazu die Auszeichnungen für Regie und Drehbuch. Im Berliner Funkturm verfolgten rund 1.900 Gäste die Gala, die das ZDF live übertrug.
Die Silberne Lola ging an Ilker Çataks Politthriller „Gelbe Briefe“, die Bronzene an Simon Verhoevens Tragikomödie „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“. Verhoevens Film bekam zusätzlich zwei Schauspielpreise: Michael Wittenborn wurde als bester Nebendarsteller geehrt - und Senta Berger als beste Hauptdarstellerin. Die 85-Jährige spielt darin die Großmutter der Hauptfigur, gespielt vom Regisseur selbst, ihrem Sohn.
Es ist die erste Lola für die in Wien geborene Schauspielerin, die in mehr als sechs Jahrzehnten kaum eine bedeutende Auszeichnung des deutschsprachigen Kinos ausgelassen hat. Auf der Bühne überreichte ihr Sohn ihr den Preis, das Publikum erhob sich. „Ich bin aufgeregt. Ich bin erst morgen glücklich. Heute ist es einfach zu viel“, sagte Berger, wie t-online berichtete.
Ich bin erst morgen glücklich. Heute ist es einfach zu viel.
Ehrenpreis für Wim Wenders
Den Preis für sein Lebenswerk nahm Wim Wenders entgegen. Der 80-Jährige nutzte seine Rede für eine selbstkritische Reflexion über eine Aktszene aus seinem Film „Falsche Bewegung“ von 1975, in der die damals 13-jährige Nastassja Kinski nackt zu sehen ist - eine Aufnahme, die er heute so nicht mehr drehen würde. Christian Friedel führte als Moderator durch den Abend und plädierte in seiner Anmoderation für künstlerische Freiheit, die „Voraussetzung dafür ist, dass es Filme gibt, die uns bewegen, fordern und unterhalten“.
August Diehl wurde als bester Hauptdarsteller für seine Rolle in „Das Verschwinden des Josef Mengele“ ausgezeichnet, Lena Urzendowsky für ihre Nebenrolle in „In die Sonne schauen“. Als bester Dokumentarfilm wurde „Siri Hustvedt - Dance Around the Self“ prämiert, als bester Kinderfilm „Zirkuskind“. Den besucherstärksten Film des Jahres steuerte Michael „Bully“ Herbig mit dem Manitu-Sequel „Das Kanu des Manitu“ bei.
Schilinskis Film war zuvor bereits in Cannes prämiert worden. Die Produktion mit dem Kleinen Fernsehspiel des ZDF räumte am Funkturm in fast jeder technischen Kategorie ab, vom Schnitt bis zum Sounddesign. Eine technische Panne unterbrach die Übertragung kurzzeitig, der Livestream pausierte für einige Minuten - inhaltlich blieb der Abend ein klares Votum der rund 2.400 Akademiemitglieder für ein deutsches Erzählkino, das sich an den großen Festivals durchsetzt.