Sechs Minuten brauchte das DFB-Team für das erste Tor bei dieser WM, eine knappe halbe Stunde für den ersten Schock. Am Sonntagabend im Houstoner NRG Stadium stand am Ende ein 4:1 gegen Curaçao - der Auftakt von Bundestrainer Julian Nagelsmann ins Turnier ist geglückt. Felix Nmecha, Nico Schlotterbeck, Kai Havertz und Jamal Musiala trafen für Deutschland, Livano Comenencia gelang das historisch erste WM-Tor für die Karibikinsel.
Den Blitzstart leitete Florian Wirtz ein. Sein Pass landete in der sechsten Minute bei Nmecha, der vor dem Tor cool blieb und das 1:0 erzielte. Deutschland kontrollierte die Anfangsphase, ließ Curaçao laufen, ohne aber konsequent nachzulegen.
Dann der Wirkungstreffer: In der 21. Minute fand Comenencia auf links zu viel Raum, lief in den Strafraum und schoss flach ins lange Eck. Manuel Neuer kam einen Wimpernschlag zu spät. Curaçaos erstes WM-Tor überhaupt - erzielt vom Profi des FC Zürich. Der WM-Neuling, kleinster Teilnehmer der Turniergeschichte, hatte plötzlich Selbstvertrauen und ließ das DFB-Team über zehn Minuten lang nicht in den eigenen Rhythmus finden.
Sie gehen nicht als Favorit ins Turnier. Das macht sie gefährlich.
Die deutsche Antwort kam aus einer Standardsituation. Wirtz brachte einen Eckball in der 38. Minute hoch in den Strafraum, Schlotterbeck stieg am höchsten und köpfte zum 2:1 ein. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit verwandelte Havertz einen Foulelfmeter sicher zum 3:1. Die DFB-Elf ging mit einem komfortablen Pausen-Polster in die Kabine, das angesichts des verschnupften Auftritts zwischen den beiden ersten Toren bequemer aussah, als es sich angefühlt hatte.
Nach Wiederanpfiff brauchte Musiala kaum mehr als zwei Minuten zur Entscheidung. Joshua Kimmich schickte den Münchner mit einem Pass in den Lauf, Musiala nahm den Ball mit dem ersten Kontakt mit und schoss flach ins linke Eck - das 4:1 in der 47. Minute. Danach verwaltete Deutschland die Führung.
Neuer löst Matthäus ab
Im Tor stand mit Manuel Neuer ein Mann mit Symbolwert. Nach 709 Tagen ohne Länderspiel kehrte der 40-Jährige zurück - es war sein 125. Einsatz für den DFB. Mit der Partie löste Neuer Lothar Matthäus als ältesten deutschen Nationalspieler bei einem aktiven WM-Turnier ab. Beim Gegentor von Comenencia war er machtlos.
Nagelsmann blieb seiner Linie treu: 4-2-3-1, mit Leroy Sané vor Deniz Undav auf der Außenbahn, Aleksandar Pavlovic und Nmecha im Mittelfeld, Nathaniel Brown als Linksverteidiger. Der Bundestrainer hatte Curaçao vor dem Spiel mit einem DFB-Pokal-Underdog verglichen, der nichts zu verlieren habe. Genau so verlief der Auftritt: streckenweise dominiert, aber mit Schreckmoment in der ersten Halbzeit. Am Donnerstag wartet in Gruppe E die Elfenbeinküste, danach Ecuador. Die Generalprobe in Chicago beim 2:1 gegen die USA hatte ähnliche Muster gezeigt - viel Ballbesitz, dann eine kurze Phase, in der die Defensive auseinanderzieht. Daran muss das DFB-Team mit Blick auf die K.-o.-Runde arbeiten.