Mit dem Schlusspfiff im Houstoner NRG Stadium stand ein 7:1, und damit das deutlichste deutsche Auftakt-Ergebnis bei einer WM seit Jahren. Was am Sonntagabend zur Pause noch wie ein souveräner Pflichtsieg aussah - 3:1, in den ersten Minuten nach Wiederanpfiff erhöhte Jamal Musiala auf 4:1 -, dehnten die eingewechselten Joker in der Schlussphase zum Schaufenster-Ergebnis aus. Nathaniel Brown, Deniz Undav und Kai Havertz trafen nach der Stunde, Havertz schraubte das Resultat in der 88. Minute zum Endstand.
Den Grundstein hatte das DFB-Team in der ersten Halbzeit gelegt - mit Mühe. Felix Nmecha traf nach einer Vorlage von Florian Wirtz schon in der 6. Minute zum 1:0, doch Livano Comenencia stocherte in der 21. Minute zum 1:1 in die Maschen, das erste WM-Tor der Karibikinsel überhaupt. Den Ausgleich hatte sich Curaçao nicht erspielt, sondern aus einer ungenauen Aktion in der deutschen Hintermannschaft eingeladen bekommen. Nico Schlotterbeck stellte nach einer Wirtz-Ecke in der 38. Minute per Kopf wieder her, Havertz verwandelte in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit einen Foulelfmeter zum 3:1.
Nach Wiederanpfiff brauchte Musiala kaum mehr als eine Minute zum 4:1. Joshua Kimmich schickte ihn in den Lauf, der Münchner ließ einen Verteidiger stehen und schoss flach ins lange Eck. Damit war jede Diskussion um den verschnupften Mittelteil der ersten Halbzeit erledigt. Bundestrainer Julian Nagelsmann zog ab der 64. Minute durch: Undav kam für Musiala, später Wechsel auf den Außenbahnen. Brown traf in der 68. Minute zum 5:1, Undav legte in der 78. Minute selbst nach. Havertz krönte den Abend in der 88. Minute mit einem flachen Abschluss von der Strafraumkante zu seinem zweiten Treffer.
Joker, Debütant, Rekordmann
Die zweite Halbzeit war Edeljoker-Material. Undav, eingewechselt nach gut einer Stunde, erzielte ein Tor und bereitete Browns Treffer mit vor - eine Antwort auf die Stürmerfrage, die Nagelsmann vor der WM noch beschäftigt hatte. Brown, WM-Debütant und seit dem Frühjahr fester Bestandteil des Kaders, knüpfte sein erstes Länderspieltor an einen abgeklärten Auftritt als Linksverteidiger. Im Tor war Manuel Neuer mit 40 Jahren bei seinem 125. Länderspiel kaum gefordert. Das Gegentor von Comenencia in der 21. Minute blieb der einzige Schuss aufs deutsche Tor, der ankam.
Sportlich bleibt der Eindruck zwiegespalten. Die Defensive verlor in der Phase nach dem 1:0 kurzzeitig die Linie und ließ Curaçao überhaupt erst zum Ausgleich kommen. „Weltmeisterlich war der Turniereinstieg gegen die No-Name-Kicker von der Karibik-Insel aber nicht 90 Minuten lang“, schrieb der Reporter von blue News stellvertretend für eine ganze Reihe deutscher Schlagzeilen am Abend. Auch die Sportschau hielt fest, defensiv habe das DFB-Team über die ersten 45 Minuten „nicht immer einen stabilen Eindruck“ gemacht. Mit dem 7:1 hat Deutschland in Gruppe E dennoch die maximale Punktzahl und das mit Abstand beste Torverhältnis aller WM-Teilnehmer am ersten Spieltag. Weiter geht es am Donnerstag gegen die Elfenbeinküste.