Am Samstag um 22 Uhr deutscher Zeit trifft die deutsche Nationalmannschaft im BMO Field in Toronto auf die Elfenbeinküste. Es ist das zweite Gruppenspiel des DFB-Teams bei der WM 2026, und es ist das erste, in dem sich Julian Nagelsmanns Mannschaft an einem Gegner messen muss, der bei diesem Turnier ernstzunehmen ist. Ein Sieg, und Deutschland steht vor dem letzten Vorrundenspiel gegen Ecuador sicher im Achtelfinale.

Die Ausgangslage könnte komfortabler kaum sein. Nach dem 7:1 gegen Curaçao in Houston führt die DFB-Elf die Gruppe E mit dem besten Torverhältnis aller bisher gestarteten Mannschaften an. Auch die Elfenbeinküste startete mit einem Sieg in das Turnier, ein 1:0 gegen Ecuador in Philadelphia, das ihre Defensivstärke unterstrich: In zehn vorangegangenen WM-Qualifikationsspielen kassierten die Ivorer kein einziges Gegentor, wie der Kicker vorrechnet. Innenverteidiger Evan Ndicka und Odilon Kossounou gelten als das körperlich kompromissloseste Pärchen der Gruppe.

Es ist die andere Seite, die im DFB-Quartier in Winston-Salem für Aufmerksamkeit sorgt. „Da stechen Spieler wie Yan Diomande, Nicolas Pepe oder Amad Diallo hervor. Das sind schon D-Züge“, sagte Innenverteidiger Antonio Rüdiger nach dem Training am Mittwoch. Die Tempodaten geben ihm recht: Mit 36,3 Stundenkilometern wurde Diomande gemessen, Bazoumana Touré kommt auf 35,98. Gegen Curaçao klappte zwar das schnelle Umschalten der eigenen Offensive, in der Rückwärtsbewegung lieferten die Außen aber Räume, die ein Gegner mit ivorischem Tempo unbarmherziger nutzen dürfte.

Da stechen Spieler wie Yan Diomande, Nicolas Pepe oder Amad Diallo hervor. Das sind schon D-Züge.
- Antonio Rüdiger, DFB-Innenverteidiger, im DFB-Trainingsquartier Winston-Salem

Auf der ivorischen Seite fehlt ausgerechnet die Spitze des Sturms: Eintracht-Profi Elye Wahi, der mit zehn Saisontoren in der Bundesliga in den WM-Kader berufen wurde, wurde von den kanadischen Behörden wegen laufender Manipulationsermittlungen in Frankreich die Einreise verweigert. Trainer Emerse Faé wird voraussichtlich mit Manchester-United-Stürmer Amad Diallo auf der Spitze antreten, dahinter wartet ein Mittelfeld um Inter-Mailand-Profi Franck Kessié.

Sané auf dem Prüfstand, Nagelsmann grübelt

In Nagelsmanns Aufstellung ist die größte Diskussion derzeit Leroy Sané. Der Münchner kam gegen Curaçao mit der kicker-Note 4 aus dem Spiel, einer der schwächsten Werte der Startelf. Nagelsmann plant laut Bild eine defensivere Rolle für ihn, alternativ stehe Jamie Leweling bereit, dessen Distanzschüsse gegen tiefer stehende Gegner eine Option seien. Festlegen wollte sich der Bundestrainer am Donnerstag nicht: „Ich habe mich extrem für die Mannschaft gefreut. Es waren gute Dinge dabei, aber auch Dinge, die wir analysieren können“, sagte er nach Sichtung der Curaçao-Partie. Für die wahrscheinliche Elf werden Neuer im Tor, eine Viererkette mit Kimmich, Tah, Schlotterbeck und Nathaniel Brown sowie ein Mittelfeld mit Nmecha, Pavlovic, Sané, Musiala, Wirtz und Havertz erwartet.

Kapitän Joshua Kimmich warnt vor jeglicher Selbstüberschätzung: „Die vermeintlich kleineren Nationen werden taktisch und fußballerisch immer besser“, sagte er gegenüber dem DFB. „Wir müssen an der Stabilität arbeiten und weniger Gegentore bekommen.“ Auch politische Stimmen ordnen das Spiel anders ein als den Auftakt. Bundeskanzler Friedrich Merz, der die DFB-Elf vom EU-Gipfel in Brüssel aus verfolgt, sagte: „Das war ein fantastischer Start, aber gegen die Elfenbeinküste wird das nicht so leicht.“

Schiedsrichterfrage, Schlangen im Quartier

Geleitet wird die Partie vom Argentinier Yael Falcón Pérez. Aus dem DFB-Quartier berichtete Kimmich am Mittwoch zudem von einer giftigen Schlange, die im Trainingszentrum entdeckt worden sei - eine Randnotiz, die aus Winston-Salem kommend für Heiterkeit sorgte, am Spielplan aber nichts ändert. Toronto erwartet am Samstag rund 45.000 Zuschauer und Temperaturen um 24 Grad - kühler als Houston, was den Beinen der Spieler entgegenkommen sollte.