Die deutsche Nationalmannschaft ist bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 schon im Sechzehntelfinale ausgeschieden. Im Gillette Stadium in Foxborough verlor die DFB-Elf am Montagabend Ortszeit gegen Paraguay nach 1:1 in der regulären Spielzeit und torloser Verlängerung mit 5:6 im Elfmeterschießen. Es ist Deutschlands frühestes WM-Aus seit Jahrzehnten und das dritte vorzeitige Scheitern in Serie.

Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte zwei Änderungen in der Startelf vorgenommen und überraschend Deniz Undav für Jamal Musiala in die Spitze beordert, wie der DFB vor dem Anpfiff mitteilte. Die Rechnung ging nicht auf: Undav blieb in der ersten Halbzeit nahezu unsichtbar, Paraguay verteidigte tief und kompakt. Drei Minuten vor der Pause stand Julio Enciso nach einer Flanke von Matías Galarza am langen Pfosten völlig frei und köpfte zum 1:0 ein - es war der erste klare Torschuss der Partie.

Nach dem Seitenwechsel reagierte Nagelsmann, brachte Musiala und später Leon Goretzka. In der 54. Minute glich Kai Havertz aus, nachdem Florian Wirtz von links flach in den Strafraum gepasst hatte. Danach drückte Deutschland, fand aber gegen ein extrem körperlich auftretendes Paraguay kaum mehr klare Räume. Die reguläre Spielzeit endete 1:1.

Aberkanntes Tor in der Verlängerung

In der 102. Minute schien die Partie entschieden: Jonathan Tah köpfte nach einer Ecke ein, doch der marokkanische Schiedsrichter Jalal Jayed nahm den Treffer nach VAR-Überprüfung zurück. Waldemar Anton habe Torhüter Orlando Gill gestoßen, lautete die Begründung. ZDF-Schiedsrichterexperte Thorsten Kinhöfer kritisierte die Entscheidung deutlich. „Das kann nie und nimmer ein Foul sein“, sagte Kinhöfer in der Live-Übertragung. Auf den TV-Bildern war keine aktive Behinderung Gills durch Anton zu erkennen.

Im Elfmeterschießen begann das Drama: Havertz scheiterte als erster Schütze an Gill, Joshua Kimmich und Musiala trafen, doch auch Nick Woltemade verschoss. Nadiem Amiri verkürzte, und Manuel Neuer hielt den Versuch von Fabián Balbuena - die Tür war wieder einen Spalt offen. Dann trat Tah an. Sein Schuss segelte weit über das Tor in die Ränge. José Canale verwandelte den entscheidenden Strafstoß für Paraguay zum 6:5.

Ich habe nicht viel zu sagen, mir fehlen die Worte. Das war meine zweite WM, das zweite Mal, dass wir es komplett vermasselt haben.
- Kai Havertz, gegenüber ARD

Havertz' Bilanz fiel schonungslos aus. „Es scheint, wir sind international nicht mehr erste Klasse, am Ende zählt es bei Turnieren“, sagte der Stürmer nach der Partie. Auch ARD-Experte Jürgen Klopp, der das Spiel von der Tribüne aus verfolgte, war fassungslos. „Da tränen einem die Augen. Das ist einfach schlecht verteidigt“, sagte Klopp zu Encisos Treffer. Nagelsmann verließ den Innenraum noch vor seinen Spielern und stellte sich anschließend mit erkennbarer Frustration der Pressekonferenz.

Drittes WM-Aus in Folge vor der K.-o.-Phase im engeren Sinn

Für den DFB ist das Ergebnis ein historisches Tief. Nach den Vorrunden-Aus 2018 und 2022 endet auch das Turnier 2026 für Deutschland vorzeitig - dieses Mal zwar erst im Sechzehntelfinale, das die FIFA bei der erstmals auf 48 Teams aufgestockten WM eingeführt hat, aber faktisch im ersten K.-o.-Spiel. Paraguay trifft in der nächsten Runde auf den Sieger der Partie Marokko gegen Senegal.