Der 7:1-Sieg der DFB-Elf gegen Curacao am Sonntagabend in Houston hat dem Ersten den stärksten WM-Auftakt seit dem Brasilien-Turnier 2014 beschert. Im Schnitt verfolgten 23,43 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer die Live-Übertragung aus dem NRG Stadium, der Marktanteil lag nach Daten der AGF Videoforschung bei 70,2 Prozent. In der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen kletterte die Quote auf 81,5 Prozent. Streaming-Zugriffe in der ARD-Mediathek und über MagentaTV sind in den Werten noch nicht enthalten - sie kommen üblicherweise zwischen einer halben und einer ganzen Million obendrauf.

ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky sprach gegenüber t-online von einem „exzellenten Start in dieses Turnier“. Der Sender lag mit dem Auftakt mehr als doppelt so hoch wie beim Katar-Auftakt 2022 gegen Japan, der seinerzeit nur 9,23 Millionen Menschen erreichte - ein Tiefpunkt, der politisch wie sportlich auf das Turnier in Doha einzahlte. Mit den 23,43 Millionen bewegt sich der Curacao-Abend in der Reichweite des deutschen Auftakts gegen Schottland bei der Heim-EM 2024 (22,49 Millionen, ZDF), bleibt aber hinter dem Mexiko-Auftakt der WM 2018 in Russland zurück, der 25,97 Millionen erreichte. Den All-Time-Spitzenwert hält weiterhin das WM-Finale 2014 gegen Argentinien mit 34,65 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern.

Sedlaczek übernimmt das Stadion

Für die ARD ist die Zahl auch deshalb wichtig, weil sie die neue Aufstellung der Sportredaktion bestätigt. Esther Sedlaczek moderierte den Abend gemeinsam mit Experte Bastian Schweinsteiger direkt am Spielfeldrand in Houston, Tom Bartels kommentierte; im Mainzer Studio führten Lea Wagner und Malte Völz durch das Rahmenprogramm. Es ist Sedlaczeks drittes großes Turnier nach der EM 2024 und der Klub-WM 2025 - und das erste, in dem sie nicht mehr aus dem Studio, sondern aus den Stadien vor Ort moderiert. Ihren Auftakt für das laufende Turnier hatte sie am Samstag bei Kanadas Eröffnungsspiel gegen Bosnien-Herzegowina in Toronto, dem Spiel, bei dem Schweinsteiger das Stadion-Lied „Live is Life“ der Wiener Band Opus mitsang und für ein viel geteiltes TV-Moment sorgte.

Sportübertragungen, insbesondere Fußball-Live-Übertragungen, sind nach wie vor ein Erfolgsgarant.
- Axel Balkausky, ARD-Sportkoordinator, zit. nach t-online

Wirtschaftlich relevant ist die Quote vor allem für die Werbeumfeld-Verhandlungen, die der Sender ab Mitte der Vorrunde mit Hörfunk-Anstalten und den ARD-Werbetöchtern führt. Eine 70-Prozent-Quote im Auftaktspiel verschiebt die Refinanzierungsrechnung der gesamten Übertragungsrechte - ARD und ZDF zahlen für das Rechtepaket der WM 2026 einen Betrag im hohen dreistelligen Millionenbereich. Gleichzeitig setzt das Ergebnis das ZDF unter Druck: Den Auftakt der DFB-Mannschaft gegen Curacao hatte Mainz turnusgemäß abgegeben, die ersten ZDF-Spiele der Deutschen folgen erst in der Vorrundenwoche zwei. Bis dahin steht die Reichweitenführung des Senders aus Köln und München fest.