Acht Tage vor dem WM-Auftakt gegen Curaçao steht für Bundestrainer Julian Nagelsmann eine seiner letzten offenen Personalentscheidungen an. Wer am Samstag in der Generalprobe gegen Gastgeber USA im Soldier Field in Chicago auf links hinten beginnt - David Raum von RB Leipzig oder Nathaniel Brown von Eintracht Frankfurt - sagt mehr über die Startelf für das Turnier aus als ein Testspielergebnis.
Im 4:0 gegen Finnland in Mainz, dem vorletzten Test vor der WM, hatte Nagelsmann den 22 Jahre alten Brown über 90 Minuten aufgeboten. Raum, eigentlich seit Monaten als gesetzt geltend, blieb auf der Bank. Auf der Pressekonferenz im DFB-Trainingslager erklärte Nagelsmann gegenüber der Sportschau, der Frankfurter überzeuge ihn defensiv: „sehr gut im Eins-gegen-eins“ sei Brown, mit „viel Speed“ und „offensiv gut im Halbraum“.
Die Zahlen stützen den Eindruck. Mit einer im Sprint gemessenen Spitzengeschwindigkeit von 35,78 km/h ist Brown laut einer dpa-Auswertung der schnellste Spieler im deutschen WM-Aufgebot. In der vergangenen Champions-League-Saison entschärfte er Barcelonas Lamine Yamal im direkten Duell. Sein Marktwert wird auf rund 40 Millionen Euro taxiert, sein Vertrag bei Eintracht Frankfurt läuft bis 2030.
Beide könnten beginnen.
Raum, mit 28 Jahren der Erfahrenere und Kapitän in Leipzig, hatte zuletzt mit muskulären Problemen zu tun und kam in den jüngsten Testpartien deshalb nur dosiert zum Einsatz. Den entstandenen Konkurrenzkampf wertet Brown öffentlich als Antrieb. „Es ist gut, dass wir uns pushen“, sagte er nach dem Finnland-Spiel der Plattform Neunzigplus, „das hilft uns beiden“.
Am Samstag um 20.30 Uhr deutscher Zeit überträgt RTL die Partie live. Wer im Soldier Field links startet, dürfte zehn Tage später auch beim WM-Auftakt am 14. Juni gegen Curaçao auflaufen.