Die deutsche Nationalmannschaft hat am Mittwoch ihre erste Trainingseinheit in den USA absolviert - und sie tat es so, wie sie es bis zum WM-Auftakt am 14. Juni in Houston offenbar weiter halten will: hinter geschlossenen Türen. Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte die Einheit nach Angaben der Sportschau für 11 Uhr Ortszeit, 18 Uhr MESZ, auf das Gelände des MLS-Klubs Chicago Fire FC angesetzt, rund zwanzig Autominuten vom Mannschaftsquartier im Waldorf Astoria entfernt. Zuschauer waren nicht zugelassen, die Anlage abgesperrt.
Wie wir am Dienstag berichteten, war der DFB-Tross am Vorabend mit Lufthansa LH 434 in Chicago eingetroffen, begrüßt von rund 50 Fans am Hoteleingang. Mit der Trainingsaufnahme am Mittwoch beginnt nun die heiße Phase der Vorbereitung. Ziel der Reise nach Chicago ist das letzte Testspiel vor dem Turnier: Am Samstagabend um 20.30 Uhr MESZ trifft die Nationalmannschaft im Soldier Field auf Gastgeber USA, übertragen wird das Spiel laut RTL und Sportschau live im Free-TV.
Neuer noch nicht im Training, Havertz reist nach
Mit auf dem Platz stand am Mittwoch nicht der prominenteste Rückkehrer im Aufgebot: Manuel Neuer arbeitete weiter individuell an der Wadenverletzung, die ihn bereits vor dem 4:0 gegen Finnland in Mainz zum Zuschauen gezwungen hatte. Ob der 40-Jährige am Samstag in Chicago erstmals seit zwei Jahren wieder im DFB-Tor stehen wird, ließ Nagelsmann offen. Schon vor dem Finnland-Spiel hatte er gegenüber der Sportschau begründet, warum man Neuer schont. „Wir haben im Trainerteam entschieden, dass er noch nicht spielt. Es macht keinen Sinn, das Spiel jetzt unbedingt zu spielen. Wir wollen einfach noch etwas Ruhe geben“, sagte der Bundestrainer.
Da müsst ihr euch keine Sorgen machen. Wir wollen ihn maximal fit haben in der Gruppenphase.
Beruhigend klingt das aus DFB-Sicht: Nagelsmann hatte den Plan damit verbunden, Neuer mit Blick auf den Turnierauftakt eher zu schonen als zu forcieren. „Je länger wir der verhärteten Struktur Zeit geben, desto besser ist es. Wir müssen kein Risiko eingehen“, zitierten ihn t-online und Sky Sport übereinstimmend. Im Hintergrund läuft die Konkurrenz weiter: Marc-André ter Stegen hatte in Mainz das Tor gehütet, ein klares Bekenntnis zur Nummer eins wollte Nagelsmann auf dem Flug nach Chicago nicht abgeben. Eine Pressekonferenz mit Kai Havertz war für 13.30 Uhr Ortszeit angesetzt; der Arsenal-Profi war nach der Champions-League-Finalniederlage gegen Paris erst mit Verspätung zur Mannschaft gestoßen.
Nach dem USA-Test bleibt wenig Zeit. Am Montag darauf wechselt die Mannschaft ins eigentliche WM-Basislager nach Winston-Salem in North Carolina, von wo aus sie zum Auftaktspiel am 14. Juni gegen Curaçao ins NRG Stadium nach Houston fliegt. In Chicago bekommen die Spieler von der WM noch wenig zu sehen: keine Fahnen am Hotel, keine offenen Trainingseinheiten, dafür ein dichter Plan zwischen Lake Michigan und Soldier Field. Sportdirektor Rudi Völler hatte den Standort bei der Anreise mit einer persönlichen Erinnerung verknüpft - seine letzte WM als Spieler 1994, ebenfalls mit Quartier in Chicago. Ob Neuer am Samstag dazustößt oder weiter pausiert, dürfte Nagelsmann nach der Einheit am Donnerstag entscheiden.