Vier Tage vor dem WM-Auftakt der deutschen Nationalmannschaft gegen Curaçao steht im Quartier an der Wake Forest University ein Mann im Mittelpunkt, der kein Trikot trägt: Sebastian Breuing. Der DFB-Greenkeeper, in der Branche „Rasenpapst“ genannt, ist nach Angaben der Sportschau seit dem 20. Mai vor Ort in Winston-Salem und verantwortet die Platzqualität auf den Trainingsfeldern in North Carolina.

Die Sorge war früh formuliert: Die amerikanischen Naturrasen sind anders gewachsen als europäische. Sie sind primär für American Football angelegt, kurz geschnitten, robust, aber für Fußballschuhe eher hart. Beim ersten Training am Montag hinterließ die DFB-Auswahl auf dem Wake-Forest-Platz nach Beobachtung mehrerer Reporter deutliche Spuren: herausgerissene Soden, Druckstellen, Filz. Breuing kennt das Problem, der DFB ließ ihn deshalb mehrfach im Vorfeld nach Winston-Salem fliegen, bevor er fest einzog.

Im Tagesgeschäft heißt das: Wärmelampen, Wachstumsfolie, Bewässerung im Halbstundentakt, dazu Sand, um Unebenheiten auszugleichen, und das Entfernen von Filz, jenen abgestorbenen Pflanzenresten zwischen Gräsern und Wurzeln, die das Verletzungsrisiko erhöhen. „Wenn das Greenkeeping meine Mannschaft zwei Prozent besser machen kann, dann bin ich bestrebt, ihnen diesen Vorteil zu verschaffen“, erklärte Breuing gegenüber ZDFheute seinen Ansatz.

Die Leute hier geben sich unglaubliche Mühe.
- Rudi Völler, DFB-Sportdirektor, in Winston-Salem

Sportdirektor Rudi Völler will daraus keine Krise machen. „Die Leute hier geben sich unglaubliche Mühe“, sagte er auf der Pressekonferenz im DFB-Quartier. Härtere Plätze seien für ihn nichts Neues, „natürlich kann es ruhig auch manchmal ein bisschen härter sein“. Die Erinnerung an die Club-WM des Vorjahres in den USA, bei der mehrere europäische Klubs über die Beschaffenheit der Rasen klagten, hat im DFB-Stab dennoch Spuren hinterlassen, deshalb die proaktive Verlegung des hauseigenen Platzwarts in die Vorbereitung.

Spielentscheidend werden Breuings Bewässerungspläne in Winston-Salem nicht. Das Auftaktspiel gegen Curaçao am Samstag findet im NRG Stadium in Houston statt, auf einem ganz anderen Untergrund. Der Greenkeeper soll vor allem dafür sorgen, dass im Trainingsalltag bis zur Abreise nach Texas niemand auf einem Boden trainiert, der die Knöchel kostet. Für ein Team, das mit Florian Wirtz und Jamal Musiala zwei seiner empfindlichsten Spieler im Mittelfeld hat, ist das mehr als eine Randnotiz.