Es ist Freitagvormittag im Spry Stadium von Winston-Salem, und Julian Nagelsmann legt selbst Hand an. Der Bundestrainer schaltet den großen schwarzen Ventilator am Spielfeldrand ein, weil das deutsche Team bei rund 35 Grad seine vorletzte Einheit vor dem WM-Auftakt absolviert. Alle 27 Spieler aus dem Reisetross stehen auf dem Platz, zwei Tage vor dem ersten Gruppenspiel gegen Curaçao am Sonntag in Houston.
Die Bilder aus North Carolina haben in der ARD und beim ZDF längst die Runde gemacht: Spieler unter Wassersprinklern, Eishandtücher am Beckenrand, Trinkpausen im engen Takt. Bei einer dieser Pausen greift Nagelsmann selbst in eine mit Eis befüllte Wasserbox und kommentiert das mit den Worten: „Das ist ja wie perlentauchen“, wie die Sportschau aus Winston-Salem berichtet. Die zweieinhalb Stunden Training laufen trotz der Belastung komplett durch, an der Seitenlinie steht für die nächsten Tage eigens ein Vorrat an Wechseltrikots bereit.
Die Hitze als Trainingspartner
Strategisch ist die Übung kein Selbstzweck. Für den Auftakt am Sonntag wird die Akklimatisierung zunächst kaum eine Rolle spielen: Das NRG Stadium in Houston fasst rund 60.000 Zuschauer, ist überdacht und klimatisiert. Anpfiff ist um 19 Uhr MESZ, übertragen wird in der ARD und bei MagentaTV. Erst in der nächsten Turnierphase, wenn die deutsche Mannschaft auf offene Spielorte wie Dallas oder Atlanta trifft, dürfte sich auszahlen, was die Spieler in der Hitze North Carolinas verarbeitet haben.
Natürlich ist es extrem heiß, aber das wussten wir auch schon vorher.
Tah ergänzte, beim DFB-Team gehe es nun darum, „sich aufs Wesentliche zu fokussieren“. Der Leverkusener soll am Sonntag neben Nico Schlotterbeck die deutsche Innenverteidigung bilden. Im Tor wird erstmals seit der EM 2024 wieder Manuel Neuer stehen, das hatte Nagelsmann am Donnerstag öffentlich gemacht. Der 39 Jahre alte frühere Bayern-Kapitän klagte zuletzt über Wadenprobleme, trainierte in Winston-Salem aber laut Sportschau wieder ohne Beschwerden mit der Mannschaft.
Vor dem Abflug nach Texas absolviert der DFB am Samstag eine letzte Einheit auf dem Campus der Wake Forest University, danach bezieht das Team sein Spielhotel in Houston. Bis dahin soll, wie es aus dem deutschen Lager heißt, möglichst wenig Aufregung in das WM-Quartier kommen. Der schwarze Ventilator am Spielfeldrand bleibt für die Abschlusseinheit vorgesehen: Die Wettervorhersage für Winston-Salem nennt für den Samstagvormittag erneut 33 Grad.