Fünf Tage vor dem WM-Auftakt der deutschen Nationalmannschaft gegen Curaçao stehen die beiden zentralen Offensivspieler im Fokus der Kritik. Beim 2:1-Sieg über die USA im Soldier Field am Samstag fanden weder Florian Wirtz noch Jamal Musiala in die Partie. An diesem Dienstag, dem ersten Tag mit Mannschaftstraining im WM-Quartier in Winston-Salem, zieht sich die Form-Debatte um die beiden Spielmacher quer durch die deutsche Sportpresse.

„Es war einfach nicht der Tag von Jamal Musiala und Florian Wirtz“, schreibt William Laing in seiner Analyse aus Chicago für t-online. Musiala habe in der ersten Halbzeit gegen die USA gewirkt wie „nur ein Schatten früherer Tage“, sich erst nach der Pause sortiert und Kai Havertz die Vorlage zum Siegtor von Leroy Sané aufgelegt. Wirtz, der vor der Partie noch betont hatte, er traue sich Verantwortung in der DFB-Elf zu, habe sich „die Partie an sich vorbeiziehen lassen“, urteilt t-online.

Das traue ich mir zu. Ich glaube, dass das Team das auch von mir erwartet. Dafür bin ich bereit, um der Mannschaft den größtmöglichen Erfolg zu bringen.
- Florian Wirtz, gegenüber t-online vor dem USA-Spiel

Sky Sport listet die Sorgenkinder auf

Sky Sport ordnet die Befunde in einer Analyse vor dem Turnierstart ein und benennt die beiden ausdrücklich als „Sorgenkinder“. Musiala fehle nach seiner monatelangen Verletzungspause noch immer „die Leichtigkeit im Spiel“; gegen die USA habe der Bayern-Profi nur eines von 15 direkten Duellen gewonnen, ein einziger Dribbling-Versuch sei aufgegangen. Wirtz, der bei FC Liverpool eine durchwachsene erste Saison spielte, sei körperlich in Topform, im DFB-Trikot zuletzt aber unter den Frühjahrsleistungen geblieben, als ihm gegen die Schweiz zwei sehenswerte Tore gelungen waren.

Die Sportplattform ran.joyn ordnet das Wirtz-Musiala-Thema in eine Liste mit den „fünf größten deutschen Fragezeichen vor der WM“ ein. Hinzu kommen die Form von Manuel Neuer nach seiner Wadenverletzung in der Bundesliga, die offene Linksverteidiger-Frage zwischen Nathaniel Brown und David Raum, das experimentelle Mittelfeld-Duo Felix Nmecha und Aleksandar Pavlovic sowie die dünne Personaldecke im Offensivbereich. Lennart Karl, eigentlich als rechter Flügel eingeplant, ist nach seinem Muskelbündelriss aus Chicago ausgefallen; für ihn rückte Leipzigs Assan Ouédraogo nach.

Nagelsmann bleibt zuversichtlich

Bundestrainer Julian Nagelsmann tritt der Aufregung entgegen. Nach dem ersten öffentlichen Training in Winston-Salem, das laut Sportschau-Liveblog von rund 3.000 Fans im Spry Stadium besucht wurde, formulierte er als Ziel der WM-Vorbereitung, „eine gute Mischung zu finden aus einer konzentrierten Gegnervorbereitung und konzentrierten allgemeinen Einheiten“. Gegenüber der französischen Sportzeitung L'Équipe äußerte er sich zufrieden mit dem Fortschritt Musialas und betonte, Wirtz sei bei seiner besten Form angekommen. Auch Kapitän Joshua Kimmich gab sich gelassen: Das Quartier auf dem Wake-Forest-Campus sei „wichtig, dass man sich wohlfühlt und dass man sich nach einem Spiel freut, dahin zurückzukehren“, sagte er gegenüber der Sportschau.

Am Sonntag, dem 14. Juni, eröffnet die DFB-Elf in Houston gegen den WM-Debütanten Curaçao ihre Gruppe E im NRG Stadium, Anstoß ist 19 Uhr MESZ. In den folgenden Gruppenspielen warten in Atlanta die Elfenbeinküste und in Dallas Ecuador. Bis zum Auftakt bleibt Nagelsmann eine knappe Trainingswoche, um das Zusammenspiel des Wirtz-Musiala-Duos zu stabilisieren und den Skeptikern eine Antwort auf dem Platz zu geben.