Wenn Schiedsrichter Sven Jablonski an diesem Samstag um 20 Uhr im Berliner Olympiastadion das DFB-Pokal-Finale zwischen dem FC Bayern München und dem VfB Stuttgart anpfeift, wird Manuel Neuer von der Tribüne aus zusehen. Bayerns Kapitän fällt mit Wadenproblemen aus, im Tor des Rekordmeisters startet der 22-jährige Jonas Urbig - sein erstes großes Endspiel. Wie wir am 13. Mai berichtet hatten, war die Partie als Duell von Rekordpokalsieger und Titelverteidiger angesetzt; nun bekommt das 83. Pokalfinale eine zusätzliche personelle Pointe.
Bei der Bundesliga-Partie gegen den 1. FC Köln vor einer Woche war Neuer nach gut einer Stunde ausgewechselt worden, nachdem im linken Wadenmuskel erneut Beschwerden aufgetreten waren. Es ist die zweite muskuläre Episode der Saison. Sportvorstand Max Eberl machte am Freitag in Berlin klar, dass ein Einsatz im Finale ausgeschlossen sei, gleichzeitig aber kein WM-Risiko bestehe.
Die WM ist nicht in Gefahr, aber er kann morgen nicht spielen.
Es sei keine sinnvolle Option, Neuer mit dem Risiko einer schweren Verletzung ins Tor zu stellen, so Eberl gegenüber Sportschau und ZDF. Die Entscheidung sei im Einvernehmen mit dem Torhüter selbst gefallen. Urbig, im Winter aus Köln verpflichtet, hatte das Abschlusstraining im Olympiastadion am Freitag mit zusätzlichen Schusseinheiten absolviert; nebenbei beschallte Jamal Musiala die Kabine als „DJ“, wie die Abendzeitung berichtete.
Stuttgart ohne Kapitän Karazor in der Startelf
Trainer Vincent Kompany läuft mit Urbig hinter einer Viererkette mit Stanisic, Upamecano, Tah und Laimer auf. Im Mittelfeld bilden Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlovic die Doppelsechs, davor agieren Michael Olise, Musiala und Luis Diaz hinter Harry Kane. Beim VfB Stuttgart fehlt Kapitän Atakan Karazor überraschend in der Anfangsformation. Trainer Sebastian Hoeneß setzt im 3-4-1-2 auf Alexander Nübel im Tor, davor verteidigen Jaquez, Chabot und Hendriks. Die Doppelsechs bilden Angelo Stiller und Chema, vorn sollen Deniz Undav und Ermedin Demirovic für die Tore sorgen, unterstützt von Jamie Leweling, Maximilian Mittelstädt und Chris Führich.
Vor dem Olympiastadion sammelten sich bereits am Nachmittag mehrere zehntausend Anhänger. Der VfB-Fanmarsch startete am Alexanderplatz, die Bayern-Fans formierten sich am Theodor-Heuss-Platz - laut sportschau.de waren über 1.000 Polizisten im Einsatz. Schon Stunden vor Anpfiff füllte sich das Rund auf etwa 20.000 Zuschauer, am Ende werden rund 74.000 erwartet. Auf den Tribünen angekündigt sind unter anderem Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und José Mourinho.
Eine technische Premiere bringt das Finale ebenfalls mit: Erstmals kommt in einem deutschen Profispiel der „iBall“ mit Connected Ball Technology zum Einsatz. Der mit einem Chip ausgestattete Spielball überträgt in Echtzeit Daten zu Kontakten, Tempo, Flugkurve und Rotation - relevant unter anderem für VAR-Entscheidungen wie Abseitskanten oder Handspielprüfungen.
Für den FC Bayern, der den 33. Meistertitel bereits gefeiert hat, geht es um das erste Double seit 2020. Harry Kane räumte gegenüber der Sportschau ein, dass die Saison ohne Pokalsieg trotz dominanter Meisterschaft einen schalen Beigeschmack hätte. Stuttgart wiederum verteidigt einen Titel, den der VfB im Vorjahr gegen Arminia Bielefeld geholt hatte; Hoeneß bezeichnete einen Pokalsieg gegen die Bayern in der Pressekonferenz am Freitag als bestmögliches Saisonende. Der Schritt ins Finale gelang dem VfB nach einem 2:1 nach Verlängerung im Halbfinale gegen den SC Freiburg.