Die deutsche Nationalmannschaft hat ihren letzten WM-Test bestanden. Vor 63.636 Zuschauern im Chicagoer Soldier Field schlug die DFB-Elf am Samstagabend Co-Gastgeber USA mit 2:1 (1:1). Kai Havertz traf nach 89 Sekunden per Kopf nach einem Freistoß von Joshua Kimmich, Leroy Sané entschied die Partie in der 57. Minute. Damit zieht die Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann mit dem neunten Pflicht- und Testspielsieg in Folge nach Winston-Salem weiter, wo am Sonntag das eigentliche WM-Basislager bezogen wird.
Wie wir vor zwei Tagen aus dem Anflug auf Chicago berichteten, war die Generalprobe für Nagelsmann der letzte Spieltermin vor dem Turnierstart am 14. Juni in Houston. Die frühe Führung ließ sich Deutschland trotz wachsendem US-Druck zunächst nicht aus der Hand nehmen, dann aber drückte Antonee Robinson in der 37. Minute einen Volley aus 22 Metern ins linke Eck zum 1:1. Nach dem Seitenwechsel zog die DFB-Elf das Tempo wieder an: Havertz legte in der 57. Minute kurz für Sané auf, der den Ball flach aus 13 Metern im rechten Eck unterbrachte. In der Schlussphase prüften Christian Pulisic und Folarin Balogun den Vertretungstorwart Oliver Baumann noch mehrmals, doch Jonathan Tah und seine Nebenleute hielten den Vorsprung über die Zeit.
Insgesamt bin ich mit der Umsetzung sehr zufrieden. Die Jungs haben einen guten Eindruck gemacht.
Personalfragen vor dem WM-Auftakt
Mit Spannung erwartet wurde der Torwart-Einsatz: Manuel Neuer, der noch am Mittwoch wegen einer zwickenden Wade individuell gearbeitet hatte, blieb auf der Bank, Baumann erhielt den Vorzug. Nach Angaben von ZDFheute steht Neuers WM-Start damit weiter unter Vorbehalt. Den Bayern-Profi Lennart Karl hatte der DFB nach einem Muskelbündelriss bereits vor dem Anpfiff aus dem Kader gestrichen. Sané, der dadurch in die Startelf rückte, dankte mit dem entscheidenden Treffer; Nagelsmann lobte ihn auf der Pressekonferenz als „ein super feiner Kerl“, wie web.de zitiert.
Ab der 80. Minute rotierte der Bundestrainer noch viermal durch: Angelo Stiller kam für Aleksandar Pavlovic, Leon Goretzka für Felix Nmecha, Nadiem Amiri für Jamal Musiala und Maximilian Beier für Florian Wirtz. Gelbe Karten sahen Nico Schlotterbeck und Beier auf deutscher Seite, dazu Timothy Weah bei den USA. Jonathan Tah ordnete die Defensivarbeit nüchtern ein. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass sie aus ihrem eigenen Ballbesitz viel kreieren konnten“, sagte der Innenverteidiger gegenüber der Sportschau. Kimmich blieb bei der Schlussbewertung skeptischer: „Man spürt, dass gewisse Dinge auch funktionieren. Manche Dinge funktionieren noch nicht perfekt.“
Acht Tage bis Houston
Die DFB-Elf bricht am Sonntag in Richtung Winston-Salem auf, wo das Trainingslager bis zum WM-Start aufgeschlagen wird. Acht Tage bleiben Nagelsmann, um aus dem 26er-Kader die Startelf für das Auftaktspiel gegen Curaçao zu formen. Nagelsmann selbst sprach gegenüber web.de von einem „perfekten Test für uns von den Witterungsbedingungen, vom Gegner“ und verwies auf die schwül-heißen Bedingungen in Chicago. Havertz, der nach der Niederlage im Champions-League-Finale mit Arsenal verspätet zur Mannschaft gestoßen war, gab das Marschziel knapp aus: „Wir brauchen jetzt jeden einzelnen, brauchen die Euphorie, das Selbstvertrauen.“ Zur Frage, wie man eine wackelige zweite Hälfte einordnet, sagte er der Sportschau am Mikrofon: „Man muss auch mal ekelig gewinnen.“