Die Reise des DFB-Trosses geht am Montag weiter. Nach dem 2:1 gegen die USA im Soldier Field und einem freien Tag am Sonntag hebt die Mannschaft von Julian Nagelsmann am Vormittag Ortszeit aus Chicago Richtung North Carolina ab. Ziel ist Winston-Salem, eine Stadt mit rund 250.000 Einwohnern, in der Deutschland für die kommenden Wochen sein WM-Quartier aufschlägt. Bezugsfertig steht das Hotel „The Graylyn Estate“, trainiert wird auf dem Campus der nahe gelegenen Wake Forest University. Am Abend soll dort vor rund 5.000 Zuschauern die erste öffentliche Trainingseinheit stattfinden, wie die Deutsche Presse-Agentur meldet.
Die Wahl auf Winston-Salem war kein Zufall. Nagelsmann hatte die Entscheidung mit der Nähe zwischen Hotel und Trainingsplätzen begründet: „Wir haben dort drei Plätze in sehr gutem Zustand, die all unseren Ansprüchen genügen. Wir können diese Plätze in unter zehn Minuten zu Fuß und mit dem Rad erreichen“, sagte der Bundestrainer laut DFB. Angesichts der Distanzen in den USA spare das täglich Reisezeit. Vom regionalen Flughafen aus liegen die Spielorte Houston, Toronto und New York jeweils zwei bis drei Flugstunden entfernt - der DFB spielt in der Gruppe E gegen Curaçao, die Elfenbeinküste und Ecuador.
Den letzten Test im Soldier Field hatte Deutschland mit 2:1 gewonnen, Kai Havertz und Leroy Sané trafen, der neunte Sieg in Folge seit September. Restlos zufrieden wirkte Nagelsmann anschließend nicht. „Manche Dinge funktionieren noch nicht perfekt. Da werden wir noch dran arbeiten, wir haben noch eine Woche“, sagte der Bundestrainer in der Sportschau. Vor allem in der Chancenverwertung und im Defensivverhalten sieht der Trainerstab Luft nach oben - genug Stoff für die Feinschliff-Tage am Wake-Forest-Campus.
Wir sind happy mit der Leistung und happy, dass wir am Ende das Spiel gewonnen haben.
Auch personell ist das Bild nach Wochenenden voller Schlagzeilen sortiert: Lennart Karl hatte sich im Abschlusstraining einen Muskelbündelriss im linken Oberschenkel zugezogen und musste passen, für ihn nachnominiert wurde der 20-jährige Leipziger Assan Ouédraogo. Er reiste laut DFB bereits am Sonntagnachmittag aus dem Spanien-Urlaub an und bezog als erster Spieler ein Zimmer im Graylyn Estate. Manuel Neuer ist nach den Trainingseinheiten in Chicago wieder im Aufgebot, im Tor soll er im Auftaktspiel Oliver Baumann ablösen.
Drei Plätze, 55 Hektar und ein Hauch Mittelalter
Das Graylyn Estate ist ein knapp 100 Jahre altes Anwesen im neonormannischen Stil, 55 Hektar groß, 85 Zimmer, Steinhäuser mit Türmen, die an eine mittelalterliche Burg erinnern. Betrieben wird die Anlage von der Wake Forest University, die auf ihrem Campus drei Rasenplätze mit Profistandard, Tennisplätze, Pool, Bogenschießanlage und Golfplatz vorhält - Sports Illustrated beschreibt die Lage als Mischung aus Abgeschiedenheit und kompletter Trainingsinfrastruktur. Kritiker verweisen darauf, dass die isolierte Lage an das russische WM-Quartier 2018 in Watutinki erinnere; lange Tage ohne Ablenkung könnten an der Stimmung zehren.
Bis Samstag plant Nagelsmann nach Angaben des Senders das Feintuning für die Gruppenphase. Geöffnet wird das WM-Turnier am Donnerstag, 11. Juni, mit dem Eröffnungsspiel Mexiko gegen Südafrika im Aztekenstadion. Deutschland startet drei Tage später am Sonntag, 14. Juni, um 19 Uhr deutscher Zeit gegen Curaçao in Houston. Den Rest entscheidet die Woche in der nordkarolinischen Provinz - und ob Nagelsmanns Auswahl die letzten Baustellen rechtzeitig schließt.