Ein DHL-Paketzustellzentrum im mecklenburgischen Leizen ist am Dienstagabend nach einem Quecksilberverdacht geräumt und weiträumig abgesperrt worden. Auslöser war eine 50-jährige Paketzustellerin, die sich am Dienstag mit körperlichen Beschwerden bei der Polizei meldete. Sie führte die Symptome auf einen Kontakt mit einer verdächtigen Flüssigkeit bei ihrer Arbeit am Freitag zurück. Über 20 Beschäftigte des Standorts im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte wurden vorsorglich in Sicherheit gebracht.

Ein Sprecher der Neubrandenburger Polizei bestätigte gegenüber der Bild-Zeitung: „Seit 18 Uhr läuft ein Großeinsatz.“ Spezialkräfte der Berufsfeuerwehr Hamburg rückten mit Schutzanzügen an, untersuchten das Gebäude und bestätigten den Anfangsverdacht auf Quecksilber. Mindestens drei Pakete am Standort waren nach ersten Angaben kontaminiert. Ob weitere belastete Sendungen noch im Zustellnetz unterwegs sind, war in der Nacht offen; die Ermittler prüften parallel Ausgänge und Verteilwege.

Verbindung nach Neustadt-Glewe

Die Beamten untersuchen einen möglichen Zusammenhang mit einem Fall im Landkreis Ludwigslust-Parchim aus der Vorwoche. Dort hatten am vergangenen Freitag zwei Frauen im Alter von 19 und 28 Jahren, eine Ukrainerin und eine Litauerin, ein Blumenpaket geöffnet, aus dem eine silbrige Flüssigkeit trat. Beide klagten über Übelkeit und Kopfschmerzen und wurden im Rostocker Klinikum behandelt. Die Polizei bestätigte später Quecksilber und leitete ein Ermittlungsverfahren wegen versuchten Verbrechens, unerlaubten Umgangs mit gefährlichen Stoffen und versuchter gefährlicher Körperverletzung ein.

Quecksilber ist das einzige Metall, das bei Raumtemperatur flüssig ist. Wird sein Dampf eingeatmet, kann er dauerhaft Gehirn, Lunge, Nieren und Immunsystem schädigen. Die räumliche Nähe der beiden Fundorte in Mecklenburg-Vorpommern und der zeitliche Abstand von wenigen Tagen legen nach Angaben der Ermittler eine Verbindung nahe, bewiesen ist sie aber nicht.

„Die Ermittlungen zur Ursache und zu den weiteren Umständen des Vorfalls dauern an“, teilte die Polizei in der Nacht mit. DHL war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Die betroffene Zustellerin wurde medizinisch versorgt, über ihren Zustand machten die Behörden am späten Abend keine Angaben. Kunden im Zustellgebiet forderten die Beamten auf, verdächtige Pakete oder ausgelaufene Flüssigkeiten nicht anzufassen und stattdessen den Notruf zu wählen.