An diesem Sonntag findet der achte Digital Independence Day statt. Die Kampagne, koordiniert vom Verein Save Social - Networks For Democracy, ruft an jedem ersten Sonntag im Monat dazu auf, einen konkreten Big-Tech-Dienst durch eine datenschutzfreundliche Alternative zu ersetzen: WhatsApp gegen Signal, Chrome gegen Firefox, Microsoft Office gegen LibreOffice. Beim ersten DI.Day am 4. Januar 2026 organisierten CCC-Ableger, Wikimedia Deutschland und Digitalcourage bundesweit Umstiegsworkshops; nach eigener Auflistung tragen inzwischen über 30 Organisationen die Kampagne mit, darunter Greenpeace, Nextcloud und European Digital Rights.
In Berlin hat sich die Initiative binnen eines halben Jahres politisch verankert. Auf eine parlamentarische Anfrage des Grünen-Abgeordneten Stefan Ziller antwortete der Senat, die Förderung digitaler Souveränität sei ein Ziel Berliner Digitalpolitik; Initiativen, die für digitale Selbstbestimmung sensibilisierten, würden ausdrücklich begrüßt. Getragen wird der DI.Day in der Hauptstadt von Bits & Bäume Berlin, dem Kleindatenverein, dem Hackerspace c-base in Mitte, der xHain-Werkstatt in Friedrichshain sowie dem Chaos Computer Club Berlin. Der ursprünglich für den 5. Juli angesetzte Termin im CCCB war kurzfristig ausgefallen - die Berliner Szene verweist heute auf verteilte Veranstaltungen quer durch die Stadt.
Wenn wir gemeinsam wechseln, können wir den Netzwerkeffekt aushebeln.
CCC: Migration ist die halbe Miete
Der Chaos Computer Club hat die Kampagne bereits Ende 2025 offiziell unterstützt und in seiner Ankündigung die praktische Hilfestellung in den Vordergrund gestellt: Windows 10, WhatsApp, Gmail sollen in Workshops durch quelloffene Werkzeuge ersetzt werden. Der Autor und Kabarettist Marc-Uwe Kling, der das Konzept beim 39. Chaos Communication Congress vorgestellt hatte, formulierte den Ansatz in der CCC-Mitteilung so: „Nicht nur der Wechsel ist wichtig, wir müssen danach auch darüber reden. Am besten geben wir sogar damit an, uns von einem Big-Tech-Dienst befreit zu haben. #DIDit“ Für Berlin heißt das konkret: Wer am Sonntag in einer der beteiligten Räume vorbeischaut, bekommt Signal-Onboarding, Linux-Installationen oder Mastodon-Zugänge eingerichtet.
Petition gegen X als Kontext
Der Sonntagstermin fällt in eine Phase, in der die Debatte um staatliche Präsenz auf X deutlich an Fahrt gewonnen hat. Die von Save Social mit lancierte Petition, die Bundesregierung und nachgeordnete Behörden aus dem Musk-Netzwerk zurückzuziehen, hatte laut Wikipedia-Eintrag zum Digital Independence Day zuletzt mehr als 150.000 Unterschriften gesammelt. Die Kampagne sieht darin einen Beleg, dass digitale Souveränität nicht nur Symbolpolitik ist - und positioniert sich damit zwischen zivilgesellschaftlicher Selbsthilfe und politischer Forderung an den Bund.