Arte hat am Mittwochabend Margarethe von Trottas „Die bleierne Zeit“ in voller Länge gezeigt und das Drama von 1981 anschließend mit der Dokumentation „Margarethe von Trotta - Zeit der Frauen“ in einen biografischen Rahmen gestellt. Der Spielfilm lief um 20.15 Uhr, die Doku folgte um 22.00 Uhr. Beide Titel stehen nach Senderangaben bis zum 18. Juni 2026 in der Arte-Mediathek.

Der Anlass ist mehr als nostalgisch. „Die bleierne Zeit“ erzählt von zwei Schwestern aus einem pfarrhäuslichen Elternhaus, die im Westdeutschland der siebziger Jahre auseinanderdriften: Juliane, gespielt von Jutta Lampe, kämpft als feministische Journalistin für gesellschaftliche Veränderung, ihre Schwester Marianne (Barbara Sukowa) geht in den bewaffneten Untergrund der RAF. Die Figuren sind fiktional, ihre Vorbilder nicht: Von Trotta lehnte sich an die Geschwister Christiane und Gudrun Ensslin an. Christiane Ensslin, die später das Magazin Emma mit aufbaute, beriet die Regisseurin bei der Recherche.

Die Filmfestspiele von Venedig zeichneten den Film 1981 mit dem Goldenen Löwen aus. Es war das erste Mal, dass eine Frau den Hauptpreis des Wettbewerbs gewann. Hinzu kamen der FIPRESCI-Preis in Venedig, der Golden Hugo in Chicago sowie ein Jahr später der Deutsche Filmpreis als bester Spielfilm. Barbara Sukowa wurde 1982 zur besten Hauptdarstellerin gekürt; ihr Spiel als untergetauchte Marianne gilt bis heute als eine der prägenden Frauenrollen des Neuen Deutschen Films.

Einer der wenigen wichtigen westdeutschen Versuche, einen Beitrag zur Aufarbeitung der jüngeren deutschen Geschichte zu leisten.
- Fischer Film Almanach, zitiert nach kriminalakte.org

Doku stellt das Werk in eine Linie

Die anschließend gezeigte Dokumentation „Zeit der Frauen“ von Cuini Amelio-Ortiz und Peter Altmann stammt aus dem Jahr 2021 und ordnet „Die bleierne Zeit“ in von Trottas Gesamtwerk ein. Zu Wort kommen langjährige Wegbegleiterinnen und -begleiter wie Volker Schlöndorff, Barbara Sukowa, Angela Winkler und Katja Riemann, ergänzt durch Archivmaterial. Der Film konzentriert sich auf von Trottas Kinoarbeit von „Das zweite Erwachen der Christa Klages“ bis in die jüngste Zeit.

Bei der Erstausstrahlung Anfang der achtziger Jahre war die Reaktion gespalten: Einige Kritiker warfen von Trotta vor, die RAF zu psychologisieren, andere lobten die nüchterne Erzählweise. Der Fischer Film Almanach zählte das Werk zu den „beeindruckendsten, ehrlichsten und in einigen Sequenzen zutiefst beunruhigenden zeitgenössischen Filmen des Jahres“. Vier Jahrzehnte später lesen sich die Streitpunkte anders, der Konflikt zwischen Schwester und Schwester aber nicht.

Wer die Ausstrahlung verpasst hat, kann beide Filme nun knapp einen Monat lang online sehen. Arte hatte das Doppelprogramm schon in den Tagen davor in seiner Sendervorschau als Schwerpunkt zu von Trottas Werk angekündigt - ein nicht ganz zufälliger Zeitpunkt, denn die Regisseurin wird im Februar 2027 ihren 85. Geburtstag feiern.