Das Erste hat am Montagabend um 20.15 Uhr die Free-TV-Premiere von „Die Fotografin“ gezeigt, dem Biopic über die Kriegsberichterstatterin Lee Miller. Regie führte Ellen Kuras, in der Hauptrolle ist Kate Winslet zu sehen. Im Rahmen des ARD SommerKinos ist der 116 Minuten lange Film bis 31. August 2026 kostenlos in der ARD-Mediathek abrufbar, wie das Onlineportal Filmstarts.de meldet.

Der Stoff lag Winslet lange im Weg. Acht Jahre hatte die Oscar-Preisträgerin daran gearbeitet, die Geschichte der Fotografin auf die Leinwand zu bringen, wie der Hollywood Reporter berichtete. Als der Produktion in Kroatien während der Dreharbeiten das Geld auszugehen drohte, übernahm sie nach eigenen Angaben zwei Wochen lang die Löhne des gesamten Teams aus privaten Mitteln. „Unabhängiges Filmemachen war schon immer extrem schwierig“, sagte Winslet dem Blatt am Rande der Vorstellung in Rom.

Manchmal muss man zusammenkommen, kollektive Energie bündeln und entschlossen sein, seine Geschichte auf feinfühlige, authentische und bedeutsame Weise zu erzählen.
- Kate Winslet, The Hollywood Reporter

Der Film erzählt vom Weg der Elizabeth „Lee“ Miller (1907-1977), die als Vogue-Model in den zwanziger Jahren berühmt wurde, zur Muse von Man Ray avancierte und ab 1942 mit US-Presseakkreditierung an die europäischen Fronten reiste. Für die britische Vogue dokumentierte sie den London Blitz, die Schlacht um Saint-Malo, die Befreiung von Paris und schließlich die Konzentrationslager Buchenwald und Dachau. Zu ihren berühmtesten Bildern zählt die Selbstinszenierung in der Badewanne von Adolf Hitlers Münchner Wohnung im April 1945, aufgenommen von ihrem Kollegen David E. Scherman.

Deutsche Kritik: Zwischen Handwerk und Konvention

Die Aufnahme in der deutschen Fachpresse fiel gemischt aus. Die epd Film-Kritik von Kai Mihm bewertete den Film mit zwei von fünf Punkten und beschrieb ihn als „eine Filmbiografie, wie sie dramaturgisch konventioneller und inhaltlich harmloser nicht sein könnte“. Winslet müht sich nach Mihms Urteil „redlich, Millers Wesenszüge zwischen Leichtlebigkeit und Feinfühligkeit herauszuarbeiten“; was die Kriegserfahrung mit der Fotografin gemacht habe - „ihre Depressionen, die posttraumatischen Belastungsstörungen und die Flucht in Alkohol“ - klammere der Film jedoch aus.

Der Filmdienst attestiert der Produktion einen soliden, in Rückblenden erzählten Ton, der erst im Verlauf Kontur gewinne. Deutlich freundlicher fiel das Urteil der Deutschen Filmbewertung aus, die Winslet als eine der „wandlungsfähigsten und mutigsten Charakterdarstellerinnen unserer Zeit“ würdigte. Auf Rotten Tomatoes hält der Film 71 Prozent positive Kritiken, Metacritic weist einen Score von 58 Punkten aus.

„Die Fotografin“ basiert auf der Biografie „The Lives of Lee Miller“, die Millers Sohn Antony Penrose 1985 vorlegte, nachdem er ihr Archiv auf dem Familiensitz Farley Farm entdeckt hatte. Kuras, langjährige Kamerafrau etwa bei „Vergiss mein nicht“, debütierte mit dem Film 2023 als Spielfilmregisseurin; die Kinoauswertung in Deutschland folgte im September 2024. Bis Ende August bietet die ARD-Mediathek nun die Gelegenheit, das Werk kostenfrei nachzuholen - und mit Miller eine der zentralen Bildchronistinnen des Zweiten Weltkriegs wiederzuentdecken.