Christopher Nolans Homer-Verfilmung „Die Odyssee“ hat drei Wochen nach Kinostart die 728-Millionen-Dollar-Marke an den weltweiten Kinokassen genommen. Es ist der bislang beste Openingrun seiner gesamten Regie-Laufbahn und übertrifft damit das bisherige Fundament von „The Dark Knight Rises“ und „Oppenheimer“. Übereinstimmenden Analystenschätzungen zufolge, auf die sich Moviepilot und Filmstarts stützen, könnte der Film international bei rund 1,3 Milliarden Dollar landen. Damit rangierte er noch vor „Oppenheimer“ (976 Millionen) und „Inception“ (840 Millionen) und wäre der kommerziell erfolgreichste Nolan-Film überhaupt.

In Deutschland ist die Ausdauer die eigentliche Nachricht. Rund 530.000 Tickets hatte der Verleih Universal Pictures Germany am Startwochenende gezählt - der zweitbeste Kinostart des Jahres hinter „Der Super Mario Galaxy Film“. Am darauffolgenden zweiten Wochenende, in dem Sommer-Blockbuster üblicherweise deutlich einbrechen, wurden laut Filmstarts über 540.000 Karten verkauft - mehr als beim Kinostart. Die Millionenmarke deutschlandweit war damit nach zehn Tagen erreicht. Kino.de schätzt den Umsatz des zweiten Wochenendes auf 7,4 Millionen Euro; der Anteil der teureren IMAX-Vorstellungen liege bei knapp jedem zehnten verkauften Ticket.

„Universal Acclaim“ - mit Widerworten

Das Kritikerecho fiel für einen Blockbuster ungewöhnlich einhellig aus. Auf Rotten Tomatoes stand der Film am Starttag bei 96 Prozent positiven Bewertungen aus 277 Rezensionen, Metacritic wies mit 89 von 100 Punkten aus 58 Kritiken den Status „Universal Acclaim“ aus. Das US-Publikum vergab bei CinemaScore ein „A“ - die höchste Bewertungsstufe für einen Kinostart. Nicht jeder deutsche Kritiker teilte die Euphorie. Filmstarts publizierte eine Gegenposition, die die 250 Millionen Dollar teure Produktion als Nolans „schwächsten Film“ bezeichnete; auch der Perlentaucher-Kritiker Kamil Moll äußerte gemischte Gefühle zum stilisierten Umgang mit Homers Vorlage.

IMAX 70mm ausverkauft, China wartet

Nolan hat den Film erstmals in seiner Karriere komplett mit IMAX-Filmkameras drehen lassen, teils mit spezialpräparierten Kameras auf Segelschiffen im Mittelmeer. Nach Angaben von Moviepilot sind die IMAX-70mm-Vorstellungen in den weltweit 41 dafür ausgerüsteten Kinos bis September nahezu ausverkauft. Der chinesische Markt, der bei den vergangenen Nolan-Filmen zurückhaltend geblieben war, bereite rund 800 IMAX-Leinwände auf einen bald folgenden Kinostart vor - für ein US-Studioprojekt in den vergangenen Jahren eine seltene Sondersituation.

Die Besetzung listet neben Matt Damon als Odysseus Tom Holland als Telemachos, Anne Hathaway als Penelope sowie Zendaya, Charlize Theron, Robert Pattinson, Lupita Nyong'o, Mia Goth und Jon Bernthal. Die USA erhielten „Die Odyssee“ mit R-Rating, was vor dem Start Skepsis über die Massenwirkung geweckt hatte. Drei Wochen später ist diese Sorge unbegründet: Der Regisseur, dessen letzter Film „Oppenheimer“ 2023 sieben Oscars gewann, hat sich mit dem Homer-Epos endgültig zur eigenen Marke gemacht - unabhängig von Franchise, Superheld oder Altersfreigabe.