Zehn Tage nach dem Kinostart hat Christopher Nolans „Die Odyssee“ nach Angaben der Abendzeitung München weltweit rund 368 Millionen US-Dollar eingespielt. Damit liegt die Homer-Adaption mit Matt Damon in der Hauptrolle deutlich über den Erwartungen des Verleihs Universal, der vor dem Start am 16. Juli mit einem Nordamerika-Debüt zwischen 85 und 100 Millionen Dollar gerechnet hatte. Es wurden dort am ersten Wochenende 124 Millionen.

Der Film ist mit einem Budget von rund 250 Millionen Dollar der teuerste, den Nolan bisher gedreht hat, und der erste Blockbuster, der komplett auf 70-mm-IMAX gedreht wurde. Zum weltweiten Startwochenende addieren sich laut kino.de rund 265 Millionen Dollar - das beste Debüt in Nolans Karriere, vor „Oppenheimer“ und der „Dark Knight“-Trilogie.

In Deutschland lief „Die Odyssee“ bereits am Donnerstag, dem 16. Juli, in 668 Kinos an. Am ersten Tag verkaufte der Film nach Angaben der Branchendienste rund 100.000 Tickets und spielte 1,3 Millionen Euro ein. Am Startwochenende kamen etwa 500.000 Zuschauerinnen und Zuschauer zusammen - hinter „Der Super Mario Galaxy Film“ der zweitbeste Kinoauftakt des Jahres in Deutschland.

Schon der schiere Aufwand raubt einem den Atem.
- Christoph Petersen, Filmstarts

Einen weiteren Bestwert setzte der Film abseits der Kinokassen: Auf der Filmplattform Letterboxd erreichte „Die Odyssee“ bereits nach sechs Tagen die Marke von einer Million als „gesehen“ markierter Einträge - schneller als jeder Film zuvor. Der bisherige Rekordhalter, der Superman-Reboot von 2025, hatte dafür zwölf Tage gebraucht, wie das Portal Filmstarts berichtet.

Geteilte Kritikerstimmen

So klar die kommerziellen Zahlen ausfallen, so uneins ist das Feuilleton. Filmstarts-Kritiker Christoph Petersen gibt dem Film 4,5 von 5 Sternen und lobt die Wucht der Bildsprache. Auf Rotten Tomatoes stehen 95 Prozent positive Kritiken, das Publikum bewertet den Film sogar mit 97 Prozent, wie kino.de berichtet.

Deutlich reservierter urteilt Sassan Niasseri im Rolling Stone. Nolan verliere sich in monumentalem Stoff, argumentiert der Kritiker, und Matt Damons unaufgeregtes Spiel in der Titelrolle bleibe cineastisch blass. Erst wer Homers Epos gelesen habe, bekomme den Film wirklich zu fassen - für Niasseri ein Beleg dafür, dass die Adaption ihre eigene Erzählform nicht gefunden habe.

Ähnlich zwiespältig fällt die Besprechung im Fachmagazin epd Film aus, die Nolan zwar visuelle Meisterschaft bescheinigt, den Blick auf die Vorlage aber als konventionell einordnet. Die deutsche Filmkritik-Website artechock schreibt, der Film füge den zahlreichen Versuchen, das Epos zu erzählen, vor allem mehr Laufzeit, mehr Pathos und mehr Stars hinzu.

Ein Nolan-Ensemble aus zehn Jahren

Die Besetzung liest sich wie ein Best-of von Nolans jüngerem Werk: Neben Matt Damon stehen Anne Hathaway als Penelope, Tom Holland als Telemachos, Zendaya als Athene, Lupita Nyong'o als Helena, Robert Pattinson als Antinoos, Charlize Theron als Kalypso und Jon Bernthal als Menelaos vor der Kamera. Nolan selbst hatte laut Filmstarts bereits 2004 als Regisseur für Wolfgang Petersens „Troja“ im Gespräch gestanden - die Auseinandersetzung mit dem antiken Stoff zieht sich also durch mehr als zwei Jahrzehnte.

Ob „Die Odyssee“ den Weg zur Milliarde findet, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden. Der Vergleich mit „Oppenheimer“ - der 2024 einen der drei Regie-Oscars für Nolan brachte und weltweit 975 Millionen Dollar einspielte - ist ambitioniert, aber angesichts des Tempos in der ersten Woche nicht abwegig.