Der Deutsche Leichtathletik-Verband hat die Europameisterschaften in Birmingham am Sonntagabend mit der besten Bilanz seit 28 Jahren beendet. Sechsmal Gold, zehnmal Silber und fünfmal Bronze summierten sich auf 21 Medaillen. Das ist der stärkste Ertrag einer deutschen Leichtathletik-EM seit Budapest 1998, als 23 Medaillen gezählt wurden, wie t-online berichtet. Im Medaillenspiegel reichte es hinter Titelträger Italien (10-6-6) und Gastgeber Großbritannien (9-8-2) für Platz drei.
Die sechs Goldmedaillen holten Zehnkämpfer Leo Neugebauer, Speerwerfer Julian Weber, Hindernisläuferin Gesa Krause (ihr dritter EM-Titel), Sprinter Owen Ansah über 200 Meter, Marathonläufer Amanal Petros und Frederik Ruppert im 3000-Meter-Hindernisrennen. Die Silbermedaille von Julia Ulbricht im Speerwurf und der zweite Rang der Mixed-Staffel über 4x100 Meter am Schlusstag rundeten die Bilanz ab. Karl Bebendorf steuerte zudem Bronze über die Hindernisse bei.
Wir sind auf einem sehr guten Weg, sehen eine größere Breite, junge Athletinnen und Athleten rücken nach, etablierte Leistungsträger entwickeln sich weiter und auch das Selbstverständnis unseres Teams verändert sich.
Italien im Kampf um Platz eins vor Gastgeber
Im Medaillenspiegel setzte sich Italien am Schlusstag knapp gegen die Briten durch. Mit 22 Medaillen und zehn Titeln lag die Squadra Azzurra am Ende der Meisterschaften vor Großbritannien, das mit 19 Medaillen und einer starken Sprinterin an der Spitze aufwartete: Amy Hunt gewann Gold über 100 und 200 Meter sowie mit beiden Staffeln, insgesamt viermal Gold. Deutschland folgte auf Rang drei - ein Ergebnis, das die Sportschau als deutlichen Sprung gegenüber Rom 2024 (11 Medaillen, einmal Gold) und München 2022 (16 Medaillen) einordnete.
Ein Wermutstropfen bleibt bei den DLV-Medaillen. Owen Ansahs Titel über 200 Meter und seine Bronzemedaille über 100 Meter stehen unter dem Vorbehalt des laufenden NADA-Verfahrens gegen den Sprinter wegen eines verpassten Dopingtests. Sollten die Medaillen aberkannt werden, würde sich die deutsche Ausbeute reduzieren. Der Fall wird nach der EM verhandelt, wie mehrere Medien berichteten.
Bügner mahnt, WM Peking und LA 2028 im Blick
DLV-Sportvorstand Jörg Bügner ordnete die Bilanz in der Sportschau nüchtern ein. „Wir haben hier in Birmingham ein Team erlebt, das großartig aufgetreten ist“, sagte er, warnte aber unmittelbar vor zu viel Euphorie: „Wir dürfen jetzt nicht überheblich werden. In bestimmten Disziplinen war hier die absolute Weltklasse am Start, in anderen nicht.“ Der Maßstab, so Bügner, liege außerhalb Europas. „Der entscheidende Wettkampf wird in zwei Jahren in Los Angeles stattfinden und da ist die ganze Welt am Start.“
Zwischenstation ist die Weltmeisterschaft im September 2027 in Peking. Dort trifft das DLV-Aufgebot erstmals wieder auf die außereuropäische Konkurrenz aus den USA, der Karibik und Ostafrika, die in Birmingham fehlte. Sichere Titelanwärter dürften Neugebauer im Zehnkampf und Weber im Speerwurf bleiben, im Marathon eröffnete Petros in Birmingham eine neue Perspektive. Bügner selbst sprach von einer „größeren Breite“ und einem veränderten „Selbstverständnis“ der Mannschaft - Formulierungen, die auf einen längeren Aufbauzyklus in Richtung LA 2028 zielen.