21 Medaillen, davon sechs in Gold: Das deutsche Leichtathletik-Team hat die Europameisterschaften im britischen Birmingham am Sonntagabend auf Rang drei des Medaillenspiegels abgeschlossen. Nur die italienische Mannschaft (10-6-6) und Gastgeber Großbritannien (9-8-2) landeten vor der Auswahl des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, die mit sechs Gold-, zehn Silber- und fünf Bronzemedaillen die zweitgrößte Ausbeute aller Nationen einfuhr - eine mehr als der Erste.
Es ist der beste deutsche Ertrag bei einer EM seit 1998, als in Budapest 23 Edelmetalle zusammenkamen. Bei der vergangenen Auflage in Rom 2024 hatte der DLV mit elf Medaillen nur Rang zwölf belegt. „Wir haben hier in Birmingham ein Team erlebt, das großartig aufgetreten ist“, zitierte das Verbandsportal leichtathletik.de am Montag Dr. Jörg Bügner, DLV-Vorstand Leistungssport.
Sechs Titel, vom Marathon bis zum Zehnkampf
Die deutschen Titel verteilten sich über eine breite Palette an Disziplinen. Marathonläufer Amanal Petros verteidigte am Sonntag auf einer harten Runde durch die Innenstadt mit deutschem Rekord. Speerwerfer Julian Weber, Sprinter Owen Ansah über 200 Meter und Zehnkämpfer Leo Neugebauer holten je einen weiteren Titel. Über 3000 Meter Hindernis setzten sich Gesa Felicitas Krause bei den Frauen und Frederik Ruppert bei den Männern durch - ein doppelter deutscher Sieg in einer Disziplin, in der zuletzt osteuropäische Läufer die Szene dominiert hatten.
Bügner ordnete das Ergebnis als Etappe eines längeren Umbaus ein. Vor zwei Jahren, sagte er leichtathletik.de, habe der Verband einen Kurs eingeschlagen, dessen Wirkung nun sichtbar werde.
Wir sind auf einem sehr guten Weg, sehen eine größere Breite, junge Athletinnen und Athleten rücken nach, etablierte Leistungsträger entwickeln sich weiter und auch das Selbstverständnis unseres Teams verändert sich.
Warnung vor Übermut, Fragezeichen bei Ansah
Gleichzeitig warnte der DLV-Vorstand vor einer Überinterpretation der Bilanz. „Wir dürfen jetzt nicht überheblich werden. In bestimmten Disziplinen war hier die absolute Weltklasse am Start, in anderen nicht. Es gibt noch einiges zu tun“, sagte Bügner gegenüber leichtathletik.de. Die taz verwies in ihrer Bilanz vom Montag zudem auf strukturelle Lücken abseits der starken Einzelleistungen, insbesondere in den Laufwettbewerben.
Ein Schatten liegt auf dem Sprint-Gold: Gegen Owen Ansah läuft ein Verfahren der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) wegen versäumter Meldepflichten. Im schlimmsten Fall droht eine Vierjahressperre und die nachträgliche Aberkennung seiner Birmingham-Medaillen. Auch dann bliebe Deutschland Dritter im Medaillenspiegel - die Zahl der Titel würde jedoch von sechs auf fünf sinken.