Die Grand Ole Opry in Nashville hat ihren Samstagabend komplett Dolly Parton gewidmet. Vor ausverkauftem Haus, mit Zuschauern in den Gängen und einem riesigen rosafarbenen Schmetterling aus Blumen als Bühnenbild, kamen langjährige Weggefährten und junge Opry-Mitglieder zusammen, um an die am vergangenen Dienstag im Alter von 80 Jahren gestorbene Country-Ikone zu erinnern. Wie wir am Freitag berichteten, hatte die Opry, deren Mitglied Parton seit 1969 war, das reguläre Programm zugunsten des Tributs verworfen und für jedes verkaufte Ticket einen Anteil an Partons Imagination Library gespendet.
Carly Pearce eröffnete den Abend mit „Those Memories of You“. Parton hatte die Sängerin 2021 persönlich in die Opry-Familie geholt. Es folgten Kathy Mattea, T. Graham Brown, Dan Tyminski, Molly Tuttle, Channing Wilson und die Opry Square Dancers. Belle Frantz gab an diesem Abend ihr Opry-Debüt - ein Moment, den Parton laut Programmheft selbst mit vorbereitet hatte. „Dolly war ein mutiger Mensch, und sie hatte nie Angst, über ihren Glauben zu sprechen“, sagte Frantz auf der Bühne, wie der Sender Fox 17 aus Nashville berichtet.
Dieser Abend ist eine Feier und eine Trauer zugleich.
Jelly Rolls Überraschung, ein Video zum Schluss
Als vermeintlicher Höhepunkt versammelten sich alle Interpreten für ein gemeinsames „9 to 5“. Bei Partons Arbeiterinnen-Hymne betrat Jelly Roll überraschend die Bühne - der Nashviller Rapper und Country-Sänger, seit 2024 selbst Opry-Mitglied, war im Vorfeld nicht im Line-up angekündigt. Das eigentliche Finale kam dann von der Wand: Auf dem großen Bildschirm über der Bühne erschien Parton selbst mit einer Aufnahme von „I Will Always Love You“ aus ihrer Opry-Vorstellung von 2020. Der Saal stand still. „Ich glaube fest daran, dass die Welt den Einfluss von Dolly Parton nie wirklich wird ermessen können“, hatte Dan Rogers, Executive Producer und Vizepräsident der Opry, den Abend eröffnet, wie der Sender WSMV berichtet.
Der Abend wurde weltweit live über Circle Country und die Opry-App gestreamt. Die Opry, gegründet 1925 als Radiosendung des Senders WSM, ist seit einem Jahrhundert das kulturelle Zentrum der amerikanischen Country-Musik; Parton wurde dort 1969 mit 23 Jahren aufgenommen und stand mehr als fünf Jahrzehnte regelmäßig auf ihrer Bühne. Am Samstag hingen an den Türen des Opry House schwarze Schleifen und rosafarbene Rosen, Partons Mitgliedsplakette trägt seit dieser Woche ein weißes Band.
Parton war am Dienstag in Nashville an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben und am Freitag im engsten Familienkreis auf dem Woodlawn Memorial Park beigesetzt worden. Der öffentliche Abschied, den die Familie sich verbeten hatte, fand am Samstag auf der Opry-Bühne statt - und, wie Mattea in einer Ansage sagte, „als Feier und Trauer zugleich“. Der Erlös aus den verkauften Tickets fließt an Partons Imagination Library, das seit 1995 monatlich Bücher an Kinder in mehreren Ländern verschickt.