Rund 300 schwarz gekleidete und mit Sturmhauben vermummte Männer haben am Samstagvormittag die Zufahrten zum Fährhafen von Dover blockiert. Die Demonstranten sperrten laut Kent Police und übereinstimmenden britischen Medienberichten die A20 sowie mehrere Zubringer, skandierten „Stop the boats“ und „England 'til I die“ und legten den Verkehr auf einer Länge von rund sechs Kilometern lahm. Wartezeiten von bis zu 45 Minuten wurden gemeldet. Bis zum Mittag hatte sich die Menge zerstreut, der Verkehr floss nach Polizeiangaben wieder normal.

Zu der Aktion bekannte sich in sozialen Netzwerken die im Juni gegründete Gruppe Patriot Platform. Die Fähren der Betreiber P&O und DFDS über den Ärmelkanal nach Calais und Dünkirchen verkehrten trotz der gesperrten Landzufahrten weitgehend nach Plan; Passagiere, die ihre Abfahrt verpassten, wurden auf spätere Überfahrten umgebucht. Kent Police teilte mit: „Die Polizei von Kent rückte am Vormittag des Samstags, 5. September, zu einem spontanen Protest in Dover aus. Es wurden keine Festnahmen vorgenommen.“ Ein britischer Regierungssprecher verurteilte die Aktion mit den Worten: „Das Recht auf friedlichen Protest ist ein grundlegender Bestandteil unserer Demokratie, doch wir verurteilen das Verhalten in Dover“, wie bluewin unter Berufung auf die Nachrichtenagentur SDA berichtet.

Was hinter Patriot Platform steckt

Patriot Platform ist ein loses Netzwerk aus verschiedenen Anti-Migrations-Gruppen, das der Aktivist Daniel Thomas alias „Danny Tommo“ nach Recherchen der britischen Rechercheorganisation Hope Not Hate im Juni gegründet hat. Thomas gilt als enger Vertrauter des rechtsextremen Aktivisten Tommy Robinson, der die Blockade auf X begleitete und schrieb: „Simultaneously at different locations across Dover patriots have mobilised to close down the port.“ Das erste offizielle Treffen der Gruppe fand am 19. Juli am Black Dam and Crabtree Nature Reserve im südenglischen Basingstoke statt. In einem Interview mit dem Boulevardjournalisten Dan Wooton hatte Thomas den Zweck seiner Gruppe kurz zusammengefasst: „What we are looking at here is taking control of this country.“ Hope Not Hate beschreibt Patriot Platform als „ein rechtsextremes Netzwerk von Männern, das bereit ist, eine ganze Stadt einzuschüchtern und lahmzulegen“.

Das Recht auf friedlichen Protest ist ein grundlegender Bestandteil unserer Demokratie, doch wir verurteilen das Verhalten in Dover.
- Britischer Regierungssprecher, gegenüber SDA

Der zuständige Labour-Abgeordnete Mike Tapp, Unterhausmitglied für den Wahlkreis Dover and Deal, forderte die Vermummten auf Facebook auf, nach Hause zu gehen, und verwies auf offizielle Zahlen des Innenministeriums, wonach die Zahl der Ärmelkanal-Überfahrten in kleinen Booten im laufenden Jahr um rund 40 Prozent zurückgegangen sei. Die Gruppe hatte in den vergangenen Wochen mehrfach von sich reden gemacht. Nach Angaben von Hope Not Hate veröffentlichte Thomas ein Video vor der Migrationsaufnahmestelle Western Jet Foil in Dover, in dem vermummte Männer den Schriftzug „Blood is on your hands“ an eine Wand sprühten. Das britische Magazin Searchlight berichtete zuvor über eine kleinere Zusammenkunft der Gruppe im August auf einem Parkplatz nördlich von Banbury und sah in dem Auftritt in Dover den Versuch, aus der Randerscheinung eine sichtbare Straßenbewegung zu machen.

Der Fährhafen von Dover ist der wichtigste britische Übergang zum europäischen Festland und wickelt einen erheblichen Teil des Personen- und Güterverkehrs zwischen der Insel und Frankreich ab. Deutsche Reisende zwischen dem Vereinigten Königreich und dem Kontinent waren nach übereinstimmenden Berichten von den Wartezeiten am Samstag betroffen, ohne dass Fährüberfahrten selbst ausgefallen wären.