Dresden stützt seine zweite große Brücke. Seit dem 14. Mai 2026 ist ein Abschnitt der Brücke Budapester Straße vollständig gesperrt, weil sich in zwei tragenden Bauteilen Risse im Spannstahl gezeigt haben - jenem Stahl, dessen Versagen 2024 schon die Carolabrücke teilweise einstürzen ließ. Stadt und Gutachter wollen die marode Brücke nun mit Schwerlaststützen sichern, um Zeit für einen Ersatzneubau zu gewinnen.

„Allein bei der Bauwerksöffnung zur Probenentnahme seien 40 Drähte spontan gerissen“, sagte Brückenexperte Steffen Marx von der TU Dresden laut diesachsen.de bei der Vorstellung des Sanierungskonzepts am 21. Mai. Ohne Eingriff, so Marx, wäre der Einsturz der Brücke wahrscheinlich gewesen. Beauftragt mit den Untersuchungen ist die Marx Krontal Partner GmbH, ein auf Brücken und Ingenieurbauwerke spezialisiertes Büro.

Tiefbauamtsleiterin Simone Prüfer kündigte gegenüber t-online an, dass Schwerlaststützen mit Pressen im Bereich der Stützen B und C eingebaut werden, „umgesetzt innerhalb von sechs bis zwölf Wochen“. Die Maßnahme verschaffe der Stadt rund zehn Jahre, um weitere Schritte zu planen, einschließlich eines Ersatzneubaus. Marx beziffert die Kosten der Notstützen auf einen hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Millionenbetrag, ein Komplettersatz würde wegen der Überspannung mehrerer Bahngleise mehr als 100 Millionen Euro kosten.

Allein bei der Bauwerksöffnung zur Probenentnahme seien 40 Drähte spontan gerissen.
- Steffen Marx, TU Dresden, diesachsen.de

Gleicher Spannstahl, gleiches Schadensbild

Die Brücke Budapester Straße, eine Spannbetonkonstruktion über die Ammonstraße und mehrere Bahngleise, wurde aus demselben Spannstahl gebaut wie die im September 2024 teilweise eingestürzte Carolabrücke. Seitdem steht das Bauwerk unter Dauerbeobachtung. Laut Mitteilung der Landeshauptstadt vom 14. Mai überwachen 122 Schallemissionssensoren sowie rund 850 Meter Glasfaserkabel das Tragwerk auf Drahtbrüche und Rissbildung in Echtzeit.

Die Sperrung schreitet schrittweise voran. Bereits am 4. Mai galt ein Lkw-Verbot für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen, am 14. Mai folgte die Vollsperrung des Abschnitts über die Ammonstraße zwischen Josephinenstraße und Brückenrampe. Für Lkw läuft die Umleitung über Nürnberger, Münchner, Fritz-Löffler- und St. Petersburger Straße. Fuß- und Radverkehr sind nicht betroffen, die Buslinie 62 fährt eine Ausweichroute, die Haltestelle Josephinenstraße entfällt. Wann der Verkehr wieder vollständig rollen kann, ließ die Stadt offen.

In Dresden wird damit binnen weniger Wochen über zwei Brücken mit demselben Konstruktionsfehler entschieden. Während für die abgerissene Carolabrücke seit Ende Mai vier Entwurfsbüros um den Neubau-Auftrag konkurrieren, schiebt die Stadt bei der Budapester Straße den Komplettersatz mit der Stützenlösung um ein Jahrzehnt nach hinten. Die Generation Dresdner Straßenbrücken aus den 1970er Jahren steht damit weiter auf dem Prüfstand.