Der Deutsche Wetterdienst hat am Freitagnachmittag die höchste Warnstufe für weite Teile Nordwestdeutschlands ausgelöst. Betroffen ist ein Korridor von Nordrhein-Westfalen über Niedersachsen bis nach Schleswig-Holstein, mit Ausläufern in die nördliche Eifel, nach Nordhessen und in den Norden von Rheinland-Pfalz. Die Warnung gilt bis Samstagfrüh und nennt Orkanböen bis 110 Kilometer pro Stunde, heftigen Starkregen von rund 30 Litern pro Quadratmeter und Hagel mit Korngrößen von zwei bis vier Zentimetern.
Auch die Tornadogefahr ist nicht ausgeschlossen. Vom Westen her zögen am Abend kräftige Gewitter auf, „die sich am Abend voraussichtlich zu einer Linie organisieren“, schreibt der DWD in seinem Warnlagebericht. Auf der Liste der zur Unwetterwarnung ausgerufenen Städte stehen unter anderem Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen, Münster, Hannover und Kassel. Über achtzig Kommunen sind erfasst.
Den Treibstoff für die Lage liefert die zurückliegende Hitzewelle. Der Diplom-Meteorologe Dominik Jung beschrieb die Ausgangslage gegenüber t-online so: Die Tage mit Temperaturen über 30 Grad hätten die Atmosphäre regelrecht aufgeladen. Diese Energie entlädt sich nun in mehrtägigen Gewitterstaffeln. Hinzu kommt ein Starkwindband in rund neun Kilometern Höhe, das laut der Analyse von wetter.com Superzellen begünstigt - also jene rotierenden Gewitterzellen, aus denen Tornados entstehen können.
Wir hatten gerade einen Schwung mit über 30 Grad, die Atmosphäre ist also randvoll mit Energie geladen.
Pfingsten unter Gewittergrollen
Am Samstag verlagert sich der Schwerpunkt nach Süden. Wetterdienste erwarten die heftigsten Zellen zwischen Ruhrgebiet, Harz und Donau, mit Hagel bis fünf Zentimeter Durchmesser und örtlich stationären Schauern, die laut DWD bis zu 60 Liter pro Quadratmeter binnen weniger Stunden bringen können. Besonders im Bergland - Schwarzwald, Schwäbische Alb, Bayerischer Wald - ist die Lage angespannt.
Am Pfingstsonntag entstehen neue Zellen im Südwesten und ziehen nach Nordosten. In der Nacht zum Pfingstmontag rechnet der DWD mit zunehmend unwetterartigem, teils mehrstündigem Starkregen, der nach Osten und Südosten wandert. Bis Mittwoch bleibt die Lage labil, erst danach soll sie sich beruhigen.
Die Behörden raten dazu, bewegliche Gegenstände im Freien zu sichern und während der Gewitter Parks, Wälder und freie Flächen zu meiden. Jung verwies darauf, dass nicht die Tornados, sondern die sogenannten Downbursts - punktuelle Fallwinde aus den Gewitterzellen - die größte strukturelle Gefahr darstellen. Wo die kräftigsten Zellen genau einschlügen, lasse sich erst kurz vorher sagen, sagte er t-online. Das Reisewochenende über Pfingsten dürfte das spüren.