Der Deutsche Wetterdienst hat am Donnerstag einen zweiten Tornado der Unwetternacht bestätigt. Neben dem Wirbelsturm in Fürstenwalde/Spree stuft die Behörde nun auch die Schäden im hessischen Wetzlar und in der Nachbargemeinde Solms als Tornado ein; wie stark er war, wird noch analysiert. Damit fielen in einer Nacht in Deutschland zwei Tornados mit einer Gewitterlinie zusammen, die inzwischen zwei Todesopfer gefordert hat. Wie wir am Donnerstagmorgen berichteten, war zunächst nur der Wirbel in Brandenburg bestätigt.

In Wetzlar beschädigte die Windhose nach Angaben der Feuerwehr rund 60 Häuser, mehrere Dächer wurden komplett abgedeckt. „Dachteile wurden bis zu drei oder vier Straßen weit getragen“, zitierte t-online die Einsatzkräfte. Auch die Nachbarstadt Solms alarmierte gegen 20:18 Uhr am Mittwoch die Feuerwehr; dort hoben Böen Dachstühle an, mehrere Wohnhäuser sind vorerst unbewohnbar. Frankfurt zählte 50 Notrufe wegen der Front, Wiesbaden 37.

Das kann eigentlich nicht sein.
- DWD-Sprecher, Märkische Allgemeine Zeitung

Für den Fürstenwalder Tornado hatte der Wetterdienst zuvor keine Warnung ausgegeben - ein Umstand, den die Behörde am Donnerstag öffentlich einordnete. DWD-Meteorologe Tobias Reinartz nannte gegenüber t-online zwei Gründe: Der Energiegehalt der Luft sei nur schwach ausgeprägt gewesen, und der Wirbel habe sich aus einem eher unscheinbaren Regenschauer statt aus einem kräftigen Gewitter entwickelt - untypisch für die Tornadobildung. Für den mitteldeutschen Raum hatten die Vorhersagemodelle dagegen rechtzeitig vor schweren Gewittern gewarnt.

Zweites Todesopfer in Thüringen

Aus dem Thüringer Wald wurde am Donnerstag ein zweiter Todesfall bekannt. In Georgenthal war ein 40-jähriger Vater am Mittwochabend auf dem Weg zum Kindergarten mit seinem Kind von herabstürzenden Baumteilen getroffen worden; er starb noch am Unglücksort. Bereits zuvor war eine 58-jährige Frau in Waldorf (Rheinland-Pfalz) unter einer überdachten Sitzgruppe von einem entwurzelten Baum erschlagen worden. Ihre 47-jährige Begleiterin liegt schwer verletzt im Krankenhaus.

Für Donnerstag und die Nacht zum Freitag rechnet der DWD mit einer allmählichen Abschwächung der Gewitteraktivität, warnt aber weiter vor lokalen Unwettern in Süddeutschland. Im südlichen Baden-Württemberg und in Bayern seien erneut Starkregen und schwere Böen möglich, teilte der Wetterdienst mit. Freitag bleibt vor allem der Süden regnerisch.