Der laufende Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo ist der tödlichste in der Geschichte des Landes. Bislang seien 2.325 Menschen an dem Virus gestorben, teilte das nationale Gesundheitsinstitut INRB am späten Sonntagabend mit. Die Zahl der bestätigten Infektionen stieg auf 4.945, in den vorangegangenen 24 Stunden kamen 101 Fälle hinzu. Damit übertrifft die aktuelle Epidemie die Zahl der Toten der Kongo-Welle von 2018 bis 2020.

Ausgelöst wird die Epidemie durch den Bundibugyo-Stamm des Virus. Für diese Variante gibt es weder einen zugelassenen Impfstoff noch ein zugelassenes Medikament. Die klassischen Zaire-Impfstoffe, mit denen frühere Ausbrüche im Kongo eingedämmt werden konnten, wirken bei Bundibugyo nicht. Die Weltgesundheitsorganisation hatte die Lage bereits am 16. Mai 2026 zur „gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite“ erklärt.

Alarmierend ist der Verlauf der Sterblichkeitsrate. Sie stieg von rund 20 Prozent Anfang Juni auf inzwischen 46 Prozent. Normalerweise sinkt diese Quote im Verlauf eines Ausbruchs, weil Kontaktverfolgung und Behandlung besser greifen. „Normalerweise sollte die Sterblichkeitsrate im Verlauf eines Ausbruchs sinken“, sagte Thomas Parisch von Ärzte ohne Grenzen der Nachrichtenagentur APA. Viele Fälle würden inzwischen erst nach dem Tod der Betroffenen identifiziert.

Normalerweise sollte die Sterblichkeitsrate im Verlauf eines Ausbruchs sinken.
- Thomas Parisch, Ärzte ohne Grenzen

Ausgangspunkt der Welle ist die östliche Provinz Ituri, wo der Erreger nach Angaben der WHO bereits seit dem Frühjahr zirkuliert. Der erste bestätigte Fall datiert vom 24. April, offiziell identifiziert wurde der Ausbruch Mitte Mai. Inzwischen sind sechs kongolesische Provinzen betroffen: neben Ituri auch Nord- und Süd-Kivu, Haut-Uele, Bas-Uele und Tshopo. Nachbarland Uganda meldete 20 Fälle und zwei Tote, konnte den Ausbruch aber im Juli für beendet erklären.

Krieg, Vertreibung und Misstrauen

Die Bekämpfung wird durch die instabile Lage im Osten des Kongo erschwert. In Ituri leben nach UN-Angaben rund 500.000 Binnenvertriebene in überfüllten Camps, in weiten Teilen der Region operieren bewaffnete Gruppen. Kontaktverfolgung ist unter diesen Bedingungen kaum flächendeckend möglich, und in Teilen der Bevölkerung stoßen Behörden auf Misstrauen. Die WHO verweist zudem auf eine schwache Gesundheitsinfrastruktur und verspätete Meldeketten.

Weltweit rangiert der Ausbruch inzwischen als zweitgrößte Ebola-Epidemie der Geschichte. Nur die Welle in Westafrika 2014 bis 2016 mit 28.616 registrierten Fällen und 11.310 Toten in Guinea, Liberia und Sierra Leone war größer. Für die 2.000-Toten-Marke hatte die westafrikanische Epidemie damals fast fünf Monate gebraucht. Im Kongo wurde sie in weniger als drei Monaten überschritten.

Parallel laufen im Kongo klinische Studien mit experimentellen Therapien, darunter dem antiviralen Wirkstoff Remdesivir und dem monoklonalen Antikörper-Cocktail MBP134. Auch die Impfstoffentwicklung gegen den Bundibugyo-Stamm wurde beschleunigt. Bis Ergebnisse vorliegen, bleibt den Einsatzkräften vor Ort nur die klassische Ebola-Bekämpfung: Isolierung, würdevolle Bestattungen, Kontaktverfolgung. In einer Region, in der Straßen unpassierbar und Kliniken überlastet sind, ist das eine gewaltige Aufgabe.