Die afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC hat am Freitag einen neuen Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo bestätigt. In der Provinz Ituri im Nordosten des Landes wurden bislang 246 Verdachtsfälle und 65 Todesfälle registriert, dazu kommen 13 durch Laboruntersuchungen in Kinshasa bestätigte Infektionen und vier laborbestätigte Tote. Die betroffene Region grenzt an Uganda und den Südsudan, der Schwerpunkt liegt in den Gesundheitszonen Mongwalu und Rwampara sowie der Provinzhauptstadt Bunia.
Erste Sequenzierungen deuten darauf hin, dass es sich nicht um den weitverbreiteten Zaire-Stamm handelt, sondern um den selteneren Bundibugyo-Ebolavirus. Das ist deshalb folgenreich, weil die in den vergangenen Jahren entwickelten Impfstoffe und Antikörperpräparate - Ervebo, Inmazeb und Ebanga - sämtlich auf den Zaire-Stamm zugeschnitten sind und gegen Bundibugyo nicht schützen. Wäre die Annahme bestätigt, wäre dieser Ausbruch der größte des Bundibugyo-Stamms seit dessen Entdeckung 2007.
Die Weltgesundheitsorganisation hatte nach eigenen Angaben bereits am 5. Mai erste Hinweise auf verdächtige Fälle aus dem Kongo erhalten und Experten in die Region geschickt. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus stellte 500.000 US-Dollar an Soforthilfemitteln bereit, wie er am Freitag in Genf mitteilte. Das Auswärtige Amt erweiterte noch am selben Tag seine Reise- und Sicherheitshinweise für den Kongo und verwies explizit auf den Ausbruch in Ituri.
Wenn es so losgeht, ist es meistens katastrophal.
Schwer zugängliche Region, schwerer Stamm
Tropenmediziner Maximilian Gertler von der Berliner Charité, der bereits frühere Ebola-Ausbrüche begleitet hat, warnte gegenüber t-online vor einer raschen Eskalation. Die hohe Zahl an Verdachtsfällen lasse darauf schließen, dass das Virus unbemerkt über Monate hinweg in entlegenen Gebieten gezirkuliert sei. Ituri liegt rund 1.700 Kilometer von der Hauptstadt Kinshasa entfernt, die Verkehrsinfrastruktur ist schwach und Teile der Provinz werden seit Jahren von bewaffneten Gruppen kontrolliert, deren Angriffe nach UN-Angaben zuletzt Dutzende Tote und Tausende Vertriebene forderten.
Africa CDC verwies in seiner Mitteilung neben der Sicherheitslage auf die starke Bevölkerungsbewegung in der Region, unter anderem im Zusammenhang mit dem Goldbergbau in Mongwalu, sowie auf die Nähe zu Uganda und Südsudan. Bereits am 14. Mai war ein 59-jähriger Kongolese in einem Krankenhaus in Kampala gestorben; bei ihm war zuvor eine Bundibugyo-Infektion festgestellt worden. Der Erreger hat damit eine internationale Grenze überschritten, bevor der Ausbruch offiziell verkündet wurde.
Es ist der 17. Ebola-Ausbruch im Kongo seit der Entdeckung des Virus 1976. Der vorhergehende Ausbruch in der Provinz Kasaï war im Februar 2026 nach 43 Todesfällen für beendet erklärt worden. Anders als damals fehlen den Helferinnen und Helfern diesmal die wichtigsten medizinischen Werkzeuge: Gegen Bundibugyo gibt es weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine zugelassene Therapie. WHO-Afrika-Direktor Mohamed Yakub Janabi koordiniert nach Behördenangaben seit Freitag ein Treffen mit den Gesundheitsministerien des Kongos, Ugandas, Südsudans und internationalen Partnern.