Die Weltgesundheitsorganisation hat den Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda zur „gesundheitlichen Notlage internationaler Tragweite“ erklärt. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus folgte damit am 17. Mai der Empfehlung des IHR-Notfallausschusses und stufte den Ausbruch fünf Tage nach seiner ersten Bestätigung in die höchste Alarmstufe ein, die das internationale Gesundheitsrecht kennt. Vor einer Woche war an dieser Stelle noch von 246 Verdachtsfällen die Rede. Nach Daten des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) vom 19. Mai sind es inzwischen mehr als 500 Verdachtsfälle und 130 Tote, davon 30 Fälle labordiagnostisch bestätigt.

Den Ausschlag für die PHEIC-Einstufung gab nicht allein die schiere Fallzahl, sondern die geografische Ausbreitung über die Provinz Ituri hinaus. In der ugandischen Hauptstadt Kampala wurden innerhalb von 24 Stunden am 15. und 16. Mai zwei labormäßig bestätigte Fälle gemeldet, einer davon mit tödlichem Ausgang. Beide Patienten waren aus dem Kongo eingereist, ein epidemiologischer Zusammenhang zwischen ihnen ließ sich bislang nicht herstellen. Am 16. Mai meldete das kongolesische Gesundheitsministerium zudem einen bestätigten Fall in der Hauptstadt Kinshasa - bei einem Reisenden, der aus Ituri zurückgekehrt war. Ein weiterer Fall wurde aus Goma in Nord-Kivu berichtet.

Es gibt erhebliche Unsicherheiten über die tatsächliche Zahl der Infizierten und die geografische Ausbreitung.
- WHO-Lagebericht zur PHEIC-Erklärung, 17. Mai 2026

Der Ausbruch wird vom Bundibugyo-Stamm des Ebolavirus verursacht, einer Variante, gegen die es bisher weder einen zugelassenen Impfstoff noch ein spezifisches Therapeutikum gibt. Die in den vergangenen Ausbrüchen in Ostafrika eingesetzten Vakzine wirken gegen den Zaire-Stamm, der für 2018 bis 2020 die Grundlage der WHO-Antwort gebildet hatte. Frühe unterstützende Behandlung sei „lebensrettend“, schreibt die WHO. Der Notfallausschuss verwies in seiner Begründung außerdem auf Todesfälle unter medizinischem Personal, was auf Übertragungen innerhalb von Krankenhäusern hinweise.

Risiko für Deutschland „sehr, sehr gering“

In Berlin äußerte sich am 18. Mai der Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums, Lars Nübel, auf der Regierungspressekonferenz. Der Ausbruch habe „erst einmal keine expliziten Auswirkungen“ auf Deutschland, das Risiko für die Bevölkerung sei „sehr, sehr gering“. Das ECDC bestätigte diese Einschätzung in seiner aktuellen Risikobewertung: Die Wahrscheinlichkeit einer Einschleppung mit anschließender Sekundärübertragung in Europa sei sehr niedrig. Das Auswärtige Amt aktualisierte die Reise- und Sicherheitshinweise für die DR Kongo und Uganda und ergänzte den Hinweis auf den Ausbruch.

Das Robert-Koch-Institut koordiniert über den Ständigen Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für hochpathogene Erreger (STAKOB) ein bundesweites Netz von Sonderisolierstationen. Wie das ECDC mitteilte, wird ein in den Ausbruchsgebieten infizierter US-Amerikaner derzeit zur Behandlung nach Deutschland evakuiert. Berlin hat eigene mobile Labore von RKI und Bernhard-Nocht-Institut für eine etwaige Anforderung bereitgehalten, ein offizielles Hilfeersuchen der WHO oder der betroffenen Länder lag laut Auswärtigem Amt zum Zeitpunkt der Pressekonferenz nicht vor.

Konflikt erschwert Kontaktverfolgung

Die Provinz Ituri im Osten des Kongos gehört zu den Regionen, in denen seit Jahren mehrere bewaffnete Gruppen aktiv sind. Vertriebene Bevölkerungen, eingeschränkter Zugang für Helfer und Angriffe auf Gesundheitspersonal erschweren laut WHO die Kontaktnachverfolgung. Es ist der 17. Ebola-Ausbruch in der DR Kongo seit der Entdeckung des Erregers 1976 und der zweite innerhalb weniger Monate. Der vorherige Ausbruch war erst Ende 2025 für beendet erklärt worden. Das ECDC hat seine Task Force für Gesundheitskrisen aktiviert und Experten zum Sitz der Africa CDC entsandt.