Bayer 04 Leverkusen hat das wochenlange Werben um Kennet Eichhorn am Mittwochabend mit einer harten Vertragsklausel beendet: Der Vizemeister aktivierte die Ausstiegsklausel des 16-jährigen Mittelfeldspielers bei Hertha BSC, die in Berichten der Sportschau und des Kicker auf knapp unter zehn Millionen Euro beziffert wird, und stattete den Junioren-Nationalspieler mit einem langfristigen Vertrag aus. Goal.com bestätigt eine Laufzeit bis 2031. Eichhorns Kontrakt in Berlin wäre regulär noch bis 2029 gelaufen.
Eichhorn ist in der vergangenen Zweitliga-Saison mit zwei Bestmarken aufgefallen: Beim Auswärtsspiel gegen den Karlsruher SC lief er mit 16 Jahren und 14 Tagen auf - jüngster Spieler der Zweitliga-Geschichte - und erzielte später gegen Greuther Fürth den jüngsten Torerfolg in der 2. Bundesliga. In rund 17 Pflichtspielen lieferte er die Belege, die in Berlin schon vergangenen Sommer das Telefon klingeln ließen. Bayer hatte sich nach eigener Darstellung früh positioniert und gegen ein Feld durchgesetzt, das laut Goal.com Manchester City, den FC Liverpool, den FC Bayern, Borussia Dortmund und RB Leipzig umfasste.
Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes spannte den Bogen zurück zu den ersten Kontakten. „Wir hatten bereits vor einem Jahr engen Kontakt mit Kennet und seiner Familie, dabei ist schon damals eine gute Verbindung entstanden“, sagte Rolfes auf der Bayer-Plattform und gegenüber Goal.com. Der Austausch mit Cheftrainer Carles Martínez Novell sei „von großer Übereinstimmung in fußballerischen Fragen und gegenseitigem Vertrauen geprägt“ gewesen. Das Echo: „Mit Kennet haben wir nun eines der besten deutschen Talente in unseren Reihen.“
Leverkusen ist ein Verein, der junge Spieler schnell zu Top-Profis entwickelt hat.
Auf Eichhorns Seite stand neben dem Geld auch ein klubpolitisches Argument: Bayer hat in den vergangenen zwei Jahren Florian Wirtz, Jeremie Frimpong und Granit Xhaka teils mit zweistelligen Ablösen weiterverkauft - und gleichzeitig den Pfad junger Profis in die Champions League freigeräumt. „Ich habe mich für die beste Lösung entschieden“, wird Eichhorn von Goal.com zitiert. Dass auch sein früherer Hertha-Trainer Konstantinos Kotsifakis bereits an der BayArena arbeitet, hat in der Endphase der Verhandlungen geholfen, berichtet die Sportschau.
Hertha verliert binnen Wochen ein zweites Aushängeschild
Für den Zweitligisten ist es der zweite Königstransfer ins Rheinland in kurzer Folge - vor wenigen Wochen hatte sich Ibrahim Maza ebenfalls Richtung Leverkusen verabschiedet. Sportlich verliert Hertha damit eine seiner zentralen Identifikationsfiguren in einer Saison, in der ein Bundesliga-Aufstieg im Plan steht. Wirtschaftlich aber spielen die zehn Millionen, die Bayer überweist, plus die Bonuszahlung, die die Abendzeitung München zusätzlich zur Ablöse berichtet, in einen Haushalt, der seit Jahren auf Verkäufe aus der Akademie angewiesen ist.
Bei Bayer ist der nächste Schritt klar: Eichhorn wird zur Saisonvorbereitung im Juli erwartet und soll laut Rolfes „behutsam“ an die Bundesliga herangeführt werden. Wer in den vergangenen Jahren bei Wirtz und Frimpong genau hingehört hat, weiß, was das im Leverkusener Sprachgebrauch heißt: Erste Pflichtspielminuten kommen, sobald die Belastung passt - und Martínez Novell hat in Toulouse einen Ruf, der auf genau dieser Choreografie aufbaut.