Mindestens 309.852 Menschen haben 2025 die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Die Zahl, die die „Welt am Sonntag“ am Pfingstwochenende erstmals aus den Daten von 14 Bundesländern errechnet hat, übertrifft den bisherigen Rekord von 291.955 Einbürgerungen aus dem Vorjahr und liegt damit auf dem höchsten Stand seit Beginn der bundesweiten Statistik im Jahr 2000.
Auffällig sind die regionalen Verschiebungen. Berlin allein verzeichnete laut Erhebung 39.034 Einbürgerungen, ein Plus von rund 78 Prozent gegenüber 2024. In Brandenburg stieg die Zahl um 25 Prozent auf 4.695 Fälle, und allein in Nordrhein-Westfalen ließen sich 3.841 russische Staatsangehörige einbürgern, ein Anstieg um 67,4 Prozent. Aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt lagen am Wochenende noch keine Zahlen vor.
Auch in der bundesweiten Statistik bleiben syrische Staatsangehörige die mit Abstand größte Gruppe der Neueingebürgerten. Bereits 2024 hatten sie laut Statistischem Bundesamt 28 Prozent aller Einbürgerungen ausgemacht, vor Türken, Irakern und Russen. Treiber der gesamten Entwicklung ist die Reform des Staatsbürgerschaftsrechts der Ampel-Koalition, die im Juni 2024 in Kraft trat: Sie verkürzte die nötige Aufenthaltszeit von acht auf fünf Jahre und lässt die doppelte Staatsbürgerschaft regelhaft zu.
Union fordert Rolle rückwärts
Mit Veröffentlichung der Zahlen meldeten sich umgehend Vertreter der Union zu Wort. Alexander Throm, innenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, sagte dem Tagesspiegel, man habe „das Schlimmste der Ampelreform beim Staatsbürgerschaftsrecht wieder abschaffen“ können, nämlich die Turbo-Einbürgerung nach nur drei Jahren. Throm forderte zudem, die Aufenthaltsfrist „wieder auf acht Jahre“ zu verlängern und die generelle Hinnahme der doppelten Staatsbürgerschaft zu kassieren.
Die doppelte Staatsbürgerschaft erschwert die Integration.
Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) verwies in derselben Erhebung darauf, es komme vor allem darauf an, „dass wir die Richtigen einbürgern“. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) warnte zusätzlich davor, Antragsteller mit antisemitischen Einstellungen einzubürgern; eine Absenkung der Anforderungen in Zeiten von Rekord-Migrationszahlen provoziere „weitere Polarisierung in der Gesellschaft“, zitiert ihn die „Welt“.
Nächste Welle erwartet Behörden 2027
Die Verwaltungen rechnen schon mit dem nächsten Anstieg. Im Frühjahr 2027 erfüllen die ersten Geflüchteten, die nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 nach Deutschland kamen, die fünfjährige Aufenthaltsfrist. Zugleich läuft der vorübergehende EU-Schutzstatus für Ukrainerinnen und Ukrainer im März 2027 aus. Kommunalverwaltungen, allen voran in Berlin und mehreren Großstädten, erwarten dann eine weitere Antragswelle - in Behörden, die schon jetzt monatelange Wartezeiten verzeichnen.