Die Eisheiligen sind vorbei, und anders als noch vor wenigen Tagen absehbar kamen sie 2026 mit Wucht. Wie wir am 12. Mai berichteten, hatte der Deutsche Wetterdienst für die Tage von Mamertus bis zur kalten Sophie eher wechselhaftes Frühlingswetter und nur sporadischen Frost erwartet. Eingetroffen ist das Gegenteil: eine markante Kaltphase mit Nachtfrost in den Höhenlagen, Schnee in den Mittelgebirgen und Höchstwerten, die vielerorts nicht über 11 bis 17 Grad hinauskamen.
Verantwortlich war eine klassische Eisheiligen-Konstellation in besonders ausgeprägter Form. Ein massiver Höhentrog zwischen Island, England und Skandinavien habe polare Kaltluft „regelrecht nach Mitteleuropa gepumpt“, erklärte Diplom-Meteorologe Dominik Jung gegenüber t-online. Auf dem Brocken fielen mehrere Zentimeter Schnee, im Harz und im Allgäu sorgte Schneefall laut wetter.com für Verkehrsunfälle, der Wetterdienst gab für mehrere Regionen amtliche Warnungen heraus.
Frost meldeten vor allem die höheren Lagen. In Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen sank das Thermometer oberhalb von 600 Metern auf bis zu minus ein Grad, in den Hochlagen Nordrhein-Westfalens auf null bis minus zwei Grad mit Schnee und Glätte, wie die Stuttgarter Zeitung berichtete. Auch im baden-württembergischen Bergland und in den bayerischen Alpen trat leichter Frost auf. Die kältesten Nächte fielen demnach auf Dienstag und Mittwoch.
Die Eisheiligen 2026 werden uns wegen ihrer Intensität in Erinnerung bleiben.
Dass die Heiligen ausgerechnet in diesem Jahr ihrem Ruf gerecht wurden, widerlegt die Statistik nicht. Der DWD verweist darauf, dass die Häufigkeit von Kaltlufteinbrüchen Mitte Mai vor allem im süddeutschen Raum „deutlich unter 50 Prozent“ liegt; 2024 und 2025 war die markante Kälte jeweils Tage bis Wochen vor den traditionellen Terminen aufgetreten. 2026 lieferte den Lehrbuchfall, den die Datenreihe gerade nicht als Regel hergibt - eine Frage der zufällig passenden Großwetterlage, nicht des Kalenderblatts.
Für Gärtner und Landwirte zählt vor allem, was jetzt folgt. Mit dem Wochenende endet die statistisch heikelste Phase nächtlicher Spätfröste. Der DWD erwartet stetig steigende Temperaturen, weiterer Frost wird damit zunehmend unwahrscheinlich; wetter.com fasst die Aussichten mit „Sonne und Wärme kehren zurück“ zusammen. Jung beziffert die Wahrscheinlichkeit für einen überdurchschnittlich warmen Sommer 2026 auf rund 81 Prozent. Wer die kalte Sophie abgewartet hat, kann die frostempfindlichen Beete nun bepflanzen; in diesem Jahr war das Warten kein leeres Ritual, sondern angewandtes Risikomanagement.