Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) hat am Donnerstagvormittag in Genf ihre Quartalsprognose für den pazifischen El Niño vorgestellt und warnt vor einem der stärksten Ereignisse der Messgeschichte. Generalsekretärin Celeste Saulo teilte den in Genf akkreditierten Korrespondenten mit, die Wahrscheinlichkeit, dass das Phänomen bis Februar 2027 anhält, liege bei nahezu 100 Prozent. Es ist die höchste Sicherheitsstufe, die die WMO in einem ihrer El-Niño-Updates jemals ausgegeben hat.

Die vorgelegten Zahlen sind ungewöhnlich. Die Meeresoberflächentemperaturen im äquatorialen Pazifik liegen zwischen 2,2 und 2,6 Grad über dem langjährigen Mittel. Die Unterflächenschicht war in Juli und August teils mehr als acht Grad wärmer als normal - jener Wärmespeicher, aus dem sich der El Niño in den kommenden Monaten weiter aufheizen kann. Den Höhepunkt erwartet die WMO um den Jahreswechsel 2026/27. Die US-Ozean- und Atmosphärenbehörde NOAA taxiert die Wahrscheinlichkeit eines sehr starken Ereignisses im Herbst und Winter unabhängig davon auf mehr als 90 Prozent.

Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte der El Niño stärker ausfallen als alles, was wir seit Beginn unserer Beobachtungen verzeichnet haben.
- Celeste Saulo, WMO-Generalsekretärin, vor Journalisten in Genf

UN-Generalsekretär António Guterres schaltete sich am Nachmittag mit einer Erklärung ein. Der El Niño nehme „vor unseren Augen Super-Ausmaße an“, warnte er. Die Welt befinde sich „in der Gefahrenzone extremer Wetterereignisse“. Saulo verwies laut Bericht des Portals nachrichten-heute.net darauf, dass die WMO gemeinsam mit den nationalen Wetterdiensten „noch nie zuvor in der 50-jährigen Geschichte“ der Organisation eine derart großangelegte Mobilisierung gestartet habe.

Trockenheit im Süden, Überschwemmungen im Westen

Die regionalen Muster sind aus vergangenen starken El-Niño-Jahren bekannt. Für Australien, Indonesien und das südliche Afrika rechnen die WMO-Prognostiker mit anhaltender Trockenheit, teilweise verbunden mit erhöhter Waldbrandgefahr im Südsommer. An der Westküste Südamerikas, in Ostafrika und im Süden der USA drohen dagegen ergiebige Niederschläge und Überschwemmungen. Der peruanische Fischereisektor bekommt die Folgen bereits durch ausbleibende Kaltwasser-Aufstiegsströme zu spüren - historisch jener Effekt, der dem Phänomen im 19. Jahrhundert seinen Namen gab.

Für Deutschland uneindeutig, aber die Meere sind heiß

Direkte Rückschlüsse auf den kommenden europäischen Winter lassen die Genfer Daten nicht zu. Der Deutsche Wetterdienst hatte bereits in einer vorherigen Einordnung gegenüber der Berliner Zeitung betont, dass sich aus einem starken El Niño allein „kein kalter Winter in Europa“ ableiten lasse; für Mitteleuropa dominieren atlantische Zirkulationsmuster. Deutlicher ist der Effekt auf das globale Temperaturbudget: Der Copernicus-Klimadienst weist für Juli 2026 in Westeuropa einen Durchschnitt von 22,48 Grad aus, rund 2,5 Grad über dem Mittel der Referenzperiode 1991 bis 2020. Klimaforscher gehen davon aus, dass 2027 als Kandidat für ein neues globales Temperaturrekordjahr in Frage kommt, weil El Niño die Atmosphäre mit einigen Monaten Verzögerung mit auflädt.

Guterres nutzte seine Erklärung, um den Klimaschutz-Rahmen zu erweitern. Es sei „ein Wettlauf zwischen den zunehmenden Risiken und unserem Engagement, Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen und die Menschen zu schützen“. Die nächste turnusmäßige El-Niño-Prognose der WMO ist für Dezember angesetzt; bis dahin soll das Phänomen seinen Höhepunkt erreicht haben.