Der ehemalige Gesundheitsdirektor von Wayne County, Abdul El-Sayed, hat am Dienstag die demokratische Vorwahl für den US-Senatssitz aus Michigan gewonnen. Der 41-Jährige setzte sich in einem Kopf-an-Kopf-Rennen gegen die Kongressabgeordnete Haley Stevens durch. Die Nachrichtenagentur Associated Press rief das Ergebnis erst am Mittwochmorgen (Ortszeit) aus. Bei ausgezählten 99 Prozent lag El-Sayed nach Angaben der Sender NBC und CNN rund einen Prozentpunkt und etwa 15.000 Stimmen vor Stevens.
Der Ausgang gilt als Sieg für den progressiven Parteiflügel und als schwere Niederlage für die israelnahe Lobbyorganisation AIPAC. Deren verbundene Super-PACs gaben nach Recherchen von Democracy Now! rund 46 Millionen Dollar zu Gunsten von Stevens aus. Insgesamt flossen nach Angaben des Werbebeobachters Ad Impact 98,2 Millionen Dollar in das Rennen, das damit zur teuersten Senats-Vorwahl in der Geschichte der US-Demokraten wurde. El-Sayed wurde nach Berechnung von Bridge Michigan im Verhältnis 11 zu 1 überboten. Zu seinen Kernforderungen zählten „Medicare for All“, eine jährliche Vermögenssteuer von sieben Prozent auf Milliarden und die konsequente Trennung von Politik und Großspenden. Israels Vorgehen im Gazastreifen bezeichnete er als Genozid und lehnte weitere US-Waffenlieferungen ab.
Die Demokraten sollten sich davor fürchten, was ich für ihr politisches System bedeute. Wenn ich sage, ich komme dafür, dann komme ich für alles davon.
In seiner ersten Reaktion in der Nacht schrieb El-Sayed: „Michigan. Wir haben gewonnen. Ich bin so stolz, euer demokratischer Kandidat für den US-Senat zu sein. Lasst uns im November gewinnen.“ Stevens räumte am Mittwoch ihre Niederlage ein und kündigte an, El-Sayed zu unterstützen. Sie hatte sich im Wahlkampf als Kandidatin der Mitte präsentiert und ihre Erfahrung als frühere Auto-Sonderbeauftragte in der Obama-Regierung sowie in der Abwicklung der Bailout-Programme betont. Die dritte Kandidatin Mallory McMorrow, Landessenatorin, hatte ihre Kampagne bereits vor dem Wahltag suspendiert und erhielt noch vier Prozent.
Aufgestellt hatten El-Sayed unter anderem Senator Bernie Sanders, die Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez und die Autoarbeitergewerkschaft UAW. Sanders und Ocasio-Cortez waren Ende Juli für mehrere Kundgebungen nach Michigan gereist. Auf Stevens' Seite standen der scheidende Amtsinhaber Gary Peters, dessen Vorgängerin Debbie Stabenow, Fraktionschef Chuck Schumer sowie die Gouverneurin Gretchen Whitmer. Adam Green vom progressiven Aktionskomitee Progressive Change Campaign Committee sagte Bridge Michigan, El-Sayeds Sieg sende „ein Signal an jeden demokratischen Politiker: Wer sich mit mächtigen Interessen anlegt, kann gewinnen“.
Im November trifft El-Sayed auf den früheren republikanischen Kongressabgeordneten Mike Rogers, der die Vorwahl seiner Partei ohne Gegenkandidaten gewann. Rogers hatte sich 2024 knapp der Demokratin Elissa Slotkin geschlagen geben müssen. Der Sitz wird frei, weil Peters nach zwei Amtsperioden nicht mehr antritt. Beide Parteien werten das Rennen im Wechselwählerstaat, den Donald Trump 2024 knapp gewann, als eines von wenigen Duellen, die über die künftige Mehrheit im US-Senat entscheiden könnten. Rogers markierte El-Sayed unmittelbar nach dem Ergebnis als „linksradikalen Sozialisten“.
El-Sayed wurde in den Vororten von Detroit als Sohn ägyptischer Einwanderer geboren, spielte an der University of Michigan Lacrosse, studierte auf ein Rhodes-Stipendium in Oxford und erwarb an der Columbia University einen Medizin-Doktor. 2018 war er in der demokratischen Vorwahl für das Gouverneursamt in Michigan unterlegen. Sollte er im November gewinnen, wäre er nach Angaben von Al Jazeera und dem Nachrichtenportal Al-Monitor der erste muslimische Senator in der Geschichte der Vereinigten Staaten.