In Nantes hat die Elfenbeinküste am Donnerstagabend Frankreich mit 2:1 (0:1) geschlagen - es war die erste Niederlage der „Equipe Tricolore“ seit fast einem Jahr und der erste Sieg der Ivorer überhaupt gegen den früheren Kolonialherrn. Für Julian Nagelsmann und das DFB-Team ist das Ergebnis mehr als eine Fußnote: Deutschland trifft in der WM-Gruppe E am 20. Juni in Toronto auf genau diese Mannschaft.

Manchester Citys Rayan Cherki hatte Frankreich in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit (45.+) in Führung gebracht. Nach dem Seitenwechsel drehte die Auswahl von Trainer Emerse Faé die Partie: Guela Doué glich in der 63. Minute aus und legte sechs Minuten vor Schluss den Treffer von Amad Diallo auf, der die Direktabnahme zur 2:1-Entscheidung verwandelte, wie der Kicker berichtet. Bittere Note für die Gastgeber: Doué ist der ältere Bruder von Désiré Doué, der für Frankreich aufgeboten gewesen wäre. Didier Deschamps schonte den PSG-Profi und weitere Pariser nach deren Champions-League-Finale komplett, sie saßen 90 Minuten auf der Bank.

Faé, in Nantes geborener Ex-Profi mit Stationen beim FC Nantes, FC Reading und OGC Nice, übernahm die Elfenbeinküste im Januar 2024 mitten im Afrika-Cup. Damals hatte das Team unter seinem Vorgänger Jean-Louis Gasset 0:4 gegen Äquatorialguinea verloren - sechs Wochen später hielt Faé den kontinentalen Titel in den Händen. Sein kompaktes 4-3-3 setzt auf körperliche Präsenz und schnelle Außen; in Nantes zeigte sich, dass das Konzept auch gegen einen WM-Mitfavoriten trägt. Von Beginn an stand RB Leipzigs 19-jähriger Yan Diomandé in der Startelf, dazu Routiniers wie Franck Kessié (Al-Ahli Saudi FC), Seko Fofana (FC Porto) und der spätere Matchwinner Amad Diallo.

Was der Sieg für die DFB-Elf bedeutet

Für die deutsche Mannschaft, die seit Mittwoch im Trainingslager am Lake Michigan vor sich hin arbeitet, ist der Befund zwiespältig. Am Samstag steht im Soldier Field in Chicago die Generalprobe gegen die USA an, neun Tage später folgt der WM-Auftakt gegen Curaçao in Houston. Zwischen dem Auftakt und dem Abschluss gegen Ecuador am 25. Juni in New York gilt das Spiel gegen die Elfenbeinküste seit der Auslosung als die Schlüsselbegegnung der Gruppe. Dass die Ivorer in Frankreich nun 90 Minuten lang die Defensive einer der höchstbewerteten Teams ausgehebelt haben, dürfte das Standing dieses Gegners auch in Nagelsmanns Lagebesprechung erhöhen.

Die Bundesliga-Spur im Faé-Kader

Im 26er-Aufgebot stehen mit Diomandé und Hoffenheims Bazoumana Touré zwei Bundesliga-Profis, beide erst 19 beziehungsweise 20 Jahre alt, beide im Sturm vorgesehen, beide A-Debütanten vom Oktober 2025. Komplettiert wird die Offensiv-Achse durch Inter Mailands Ange-Yoan Bonny, der zuvor für die französische U21 auflief und im Februar das Lager wechselte. Der frühere Dortmunder Sébastien Haller, lange das Gesicht des ivorischen Sturms, fehlt im Kader - eine Personalie, die Faé nach dem Sieg in Nantes nun erst recht nicht erklären muss. Für Deschamps wird der Druck dagegen größer: Seine Mannschaft war neun Pflichtspiele lang ungeschlagen, die letzte Niederlage liegt fast auf den Tag genau ein Jahr zurück, damals gegen Spanien.