Im Alexander Stadium in Birmingham fällt am Montag der Startschuss für die 27. Leichtathletik-Europameisterschaften. Erstmals richtet Großbritannien das kontinentale Titelturnier aus, bis zum 16. August kämpfen rund 1.600 Athletinnen und Athleten in 50 Entscheidungen um Gold. Der Deutsche Leichtathletik-Verband reist mit 114 Aktiven an - 59 Frauen, 55 Männer - und muss die Bilanz von München 2022 verteidigen, wo das DLV-Team sieben Titel und insgesamt 16 Medaillen holte.
Am ersten Wettkampftag fallen laut sportschau.de fünf Entscheidungen. Kugelstoß-Olympiasiegerin Yemisi Mabry eröffnet den DLV-Auftritt am Vormittag mit der Qualifikation um 11.35 Uhr, das Finale steht um 20.03 Uhr an. Fast zeitgleich mit Mabrys Vorkampf tritt Hammerwerfer Merlin Hummel um 11.40 Uhr in seiner Ausscheidung an. Am Abend gehen die Sprinterinnen Gina Lückenkemper und Rebekka Haase ab 21.10 Uhr in die 100-Meter-Halbfinals; das Finale folgt um 22.50 Uhr. Hindernisläuferin Gesa Krause muss sich um 22.00 Uhr für den Endlauf über 3.000 Meter qualifizieren.
Mabry, in Paris 2024 mit einem Stoß von über 20 Metern zum Olympiasieg im Kugelstoßen der Frauen, gilt in Birmingham als sichere Bank. „Sie wird gleich am Eröffnungstag eingreifen“, schreibt olympics.com und zählt sie zur ersten Reihe der deutschen Medaillenkandidatinnen neben Zehnkampf-Weltmeister Leo Neugebauer, Speerwerfer Julian Weber und Weitsprung-Olympiasiegerin Malaika Mihambo. Krause, seit einem Jahrzehnt Stammgast auf dem Hindernispodium, und Ruppert gelten als deutsche Doppelspitze in den Steeple-Rennen. Marathon-Titelverteidiger Richard Ringer und Amanal Petros sind für die Straßenläufe am Wochenende gesetzt.
Sie wird gleich am Eröffnungstag eingreifen.
Ansah startet unter Vorbehalt
Über allen Vorzeichen liegt das Verfahren gegen 100-Meter-Rekordler Owen Ansah. Die Nationale Anti Doping Agentur hatte am Freitag eine vierjährige Sperre gegen den Hamburger beantragt und ihm eine verweigerte Kontrolle am 9. Juli vorgeworfen. Weil die Nada keine vorläufige Suspendierung ausgesprochen hat, kann Ansah in Birmingham antreten - der DLV nominierte ihn nach Angaben von Sportdirektor Jörg Bügner für die Einzelstrecken über 100 und 200 Meter, strich ihn aber vorerst aus der Staffel. Sein Anwalt Rainer Tarek Cherkeh weist die Vorwürfe zurück und will das Verfahren bestreiten. Die Sprint-Vorläufe stehen für Dienstag und Mittwoch im Zeitplan.
Für die restlichen Titelrennen liefern die europäischen Stars die Zugkraft. Stabhochspringer Armand Duplantis peilt in Birmingham nach Angaben von sportschau.de sein erstes EM-Gold an, die Britin Keely Hodgkinson läuft vor Heimpublikum, Italiens 100-Meter-Olympiasieger Marcell Jacobs kehrt nach Verletzungen zurück, und Femke Bol geht nach ihrem Wechsel weg von den Hürden erstmals bei einer EM über 800 Meter an den Start. ARD und ZDF übertragen die Titelkämpfe an allen sieben Wettkampftagen im Wechsel, dazu gibt es in der Mediathek Livestreams zu allen Sessions.
Ausblick
Das Ziel für den DLV, so hatte es Bügner in den vergangenen Tagen wiederholt formuliert, sei nicht die reine Medaillenzahl, sondern der Anschluss an die Weltspitze ein Jahr vor der WM 2027 in Peking. Mabrys Kugelstoß-Finale ist dabei die naheliegendste Standortbestimmung: Ihre Konkurrentinnen aus den Niederlanden und Portugal haben in dieser Saison ebenfalls über 19 Meter gestoßen. Ob Lückenkempers Comeback nach dem Karriereknick im Frühjahr für einen Medaillenrang reicht, entscheidet sich noch am Montagabend.