Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) hat am Dienstag seinen Emissions Gap Report 2026 vorgelegt. Die Welt steuert nach aktueller Politik auf eine Erwärmung von 2,8 Grad bis Ende des Jahrhunderts zu. Das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Abkommens sei „ohne oder nur mit geringer Überschreitung“ nicht mehr zu halten, heißt es in dem Bericht, der den Titel „The Point of Return“ trägt.
Nach den Berechnungen des UNEP erreichten die globalen Treibhausgasemissionen 2025 mit 58,4 Gigatonnen CO2-Äquivalent nahezu das Niveau des Vorjahres. Werden alle angekündigten nationalen Klimapläne vollständig umgesetzt, lässt sich die Erwärmung immerhin auf 2,6 Grad begrenzen. Nur im Idealfall, wenn zusätzlich alle Netto-Null-Zusagen eingehalten werden, bleibt es bei 2,1 Grad. Für den tiefstmöglichen Pfad müssten die weltweiten Emissionen bis 2030 um 18 Prozent, bis 2035 um 45 Prozent und bis 2040 um 69 Prozent sinken, gemessen am Jahr 2025.
„Es gibt eine Fülle von Erfolgsgeschichten, die zeigen, dass Emissionen rasch gesenkt werden können“, sagte UNEP-Chefin Inger Andersen bei der Vorstellung des Berichts, wie der ZDFheute berichtet. Das Dokument listet mehr als 220 Klimaschutzmaßnahmen auf, die in verschiedenen Sektoren nachweislich Wirkung zeigen. Doch die Lücke zwischen Zusagen und Notwendigem bleibt groß: Selbst wenn alle Staaten ihre nationalen Beiträge erfüllen, sinken die Emissionen bis 2030 lediglich um fünf bis acht Prozent.
Deutschland verfehlt die eigenen Vorgaben
Deutschland zählt zu den G20-Staaten, die ihre Klimaziele für 2030 nicht erreichen werden. Nur sechs Länder innerhalb der Gruppe sind laut dem Bericht auf Kurs: China, Indien, Indonesien, Russland, Südafrika und die Türkei. Der Expertenrat für Klimafragen hatte bereits im Mai gewarnt, dass das deutsche Emissionsbudget bis 2030 um 60 bis 100 Millionen Tonnen überschritten werde.
Gleichzeitig hängen wir mit dem Ausstieg aus den fossilen Energien total hinterher.
Fentje Jacobsen vom WWF Deutschland sagte der taz, Deutschland habe eine historische Verantwortung und als führendes Industrieland einen enormen Hebel. Im Tagesspiegel kritisiert der Wissenschaftsredakteur Patrick Eickemeier, dass die Bundesregierung derzeit auf den Ausbau von fossilem Gas setze und den Umstieg auf Elektroautos verlangsame, statt die Verkehrswende zu beschleunigen.
Der Bericht erscheint wenige Wochen vor der Weltklimakonferenz COP31, die im November im türkischen Antalya beginnt. Die Bundesregierung sieht den UN-Bericht nach eigenen Angaben als „klares Signal“ an die Konferenz. UN-Generalsekretär António Guterres hatte am Dienstag erklärt, aus der Emissionslücke sei inzwischen eine Lücke bei der politischen Führung geworden.
Die wissenschaftliche Botschaft ist eindeutig: Die 1,5-Grad-Marke wird in den kommenden Jahrzehnten überschritten. Offen bleibt, wie weit und wie lange. Im besten noch denkbaren Pfad erreicht die Erwärmung zwischen 2050 und der Jahrhundertmitte Werte zwischen 1,7 und 1,8 Grad, bevor sie bis 2100 wieder auf 1,5 Grad sinkt. Dafür müsste die Menschheit bis zum Ende des Jahrhunderts rund 320 Gigatonnen CO2 aus der Atmosphäre entfernen, überwiegend durch Aufforstung und technische Abscheidung.