Das feministische Magazin EMMA stellt nach fast 50 Jahren sein Erscheinen ein. Herausgeberin Alice Schwarzer kündigte am Dienstag gegenüber der Deutschen Presse-Agentur in Köln an, dass die Ausgabe vom 8. Dezember die letzte sein werde. „Nein, wir gehen, weil wir meinen: Es reicht!“, sagte die 83-Jährige der dpa. Finanzielle Gründe spielten für die Entscheidung keine Rolle.
Schwarzer hatte EMMA 1977 in Köln gegründet, als Gegenentwurf zu einer Presse, die sie als männlich geprägt beschrieb. Bis zur Einstellung erschienen 398 Hefte mit mehr als 36.000 Seiten. Die vorletzte Nummer soll bereits am 27. Oktober am Kiosk liegen, wie das Branchenportal Medieninsider berichtet. Für die Abschiedsausgabe am 8. Dezember hat die Redaktion ein doppelt so umfangreiches Jubiläumsheft angekündigt, in dem 50 zentrale Themen aus einem halben Jahrhundert noch einmal eingeordnet werden sollen. Das komplette EMMA-Archiv geht anschließend an das Deutsche Literaturarchiv Marbach.
Sicher, auch unsere Auflage sinkt. Aber unsere Einnahmen decken immer noch die Ausgaben.
Nicht die Zahlen, sondern die Erschöpfung
Dass EMMA mit einem bewussten Entschluss aufhört und nicht am Markt scheitert, betont Schwarzer mehrfach. „Sicher, auch unsere Auflage sinkt. Aber unsere Einnahmen decken immer noch die Ausgaben“, sagte sie der Nachrichtenagentur. Das Blatt verfüge zudem über Rücklagen. Als Grund führte sie dagegen Ermüdung an: „Jetzt sind wir ermattet.“ Nach drei Generationen Redaktionsarbeit habe das Heft seinen Auftrag erfüllt. Wie das Fachportal Medieninsider schreibt, fehlte EMMA zugleich seit Jahren eine belastbare Nachfolgeplanung - ein Versuch mit der Journalistin Lisa Ortgies an der Spitze endete 2008 im Streit, danach übernahm Schwarzer wieder selbst.
In jüngerer Zeit hinterließ die politische Positionierung der Herausgeberin Spuren im Abonnentenstamm. Vor allem Schwarzers Kurs im Ukraine-Krieg, in dem sie wiederholt rasche Verhandlungen mit Russland forderte, polarisierte die Leserschaft. 2024 räumte sie laut t-online selbst ein, rund jede fünfte Abonnentin habe daraufhin ihr Abo gekündigt. Die feste Stammleserschaft blieb dem Heft dennoch erhalten, ebenso seine Rolle als Referenzpunkt feministischer Streitkultur in Deutschland.
Mit Kampagnen gegen Pornografie, für die Reform des Paragrafen 218 und zuletzt mit dem umstrittenen „Offenen Brief an Olaf Scholz“ hatte EMMA über fünf Jahrzehnte eine Marke geformt, die wie kaum ein anderes Magazin für feministische Debatten im deutschsprachigen Raum stand. Wie das ZDF berichtet, bleibt mit dem Umzug des Archivs nach Marbach ein Teil dieser Geschichte für die Forschung erhalten - auch wenn das Heft selbst in gut sechs Wochen zum letzten Mal am Kiosk liegt.