Das zweite Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 steht: Am Mittwoch trifft England um 21 Uhr MESZ im Mercedes-Benz Stadium in Atlanta auf den Titelverteidiger Argentinien. Beide Teams haben sich nur mit Mühe und über die Verlängerung in die Runde der letzten Vier gequält, wie die Sportschau berichtet. England setzte sich am Samstagabend im Hard Rock Stadium in Miami mit 2:1 gegen Norwegen durch, Argentinien gewann wenige Stunden später in Kansas City 3:1 gegen die Schweiz.

Beide Trainer traten anschließend auffallend nüchtern vor die Kameras. Englands Bundestrainer Thomas Tuchel sprach nach dem Bellingham-Doppelpack gegen Norwegen von einer Leistung, die er nicht durchgehen lassen wollte. „Wir haben uns das Leben heute selbst sehr, sehr schwer gemacht“, sagte Tuchel gegenüber der ARD und zählte auf: „Schlampig, sehr viele technische Fehler, nicht schnell genug, nicht wiederholt genug. Wir hatten heute Glück.“ Das Halbfinale sei „fantastisch“, die Vorstellung aber weit unter Anspruch.

Auch Argentiniens Coach Lionel Scaloni verzichtete auf Pathos. „Wir hatten das Glück auf unserer Seite“, sagte er nach dem 3:1 gegen die Schweiz und verwies auf die Gelb-Rote Karte für Breel Embolo nach VAR-Eingriff. „Was wir erreicht haben, ist historisch - wir stehen im Halbfinale.“ Alexis Mac Allister hatte Argentinien in der 10. Minute in Führung gebracht, Dan Ndoye glich in der 67. aus, in der Verlängerung entschieden Julian Alvarez und Lautaro Martínez die Partie.

Wir hatten heute Glück.
- Thomas Tuchel, England-Trainer, in der ARD

Messi, 39, gegen Bellingham

Sportlich läuft in Atlanta das Duell zweier Generationen zusammen. Lionel Messi, 39 Jahre alt, spielt sein letztes WM-Turnier und liegt mit acht Toren und zwei Vorlagen in der Torjägerliste vorne, gemeinsam mit Frankreichs Kylian Mbappé. Gegen die Schweiz blieb er allerdings erstmals nach neun WM-Partien in Serie ohne eigenen Treffer und wirkte auf dem Feld über weite Strecken abgemeldet. Auf englischer Seite tragen Jude Bellingham und Kapitän Harry Kane die Mannschaft: Bellingham hat in den K.-o.-Spielen gegen Mexiko und Norwegen entscheidend geliefert, Kane führt die Three Lions als Torschützenkönig der Turnierhistorie an.

Es ist die sechste WM-Begegnung beider Nationen und die erste seit 2002. In der direkten Bilanz liegt England mit sechs Siegen bei zwei Niederlagen und sechs Unentschieden vorn - der historische Ballast ist aber argentinisch geprägt. Diego Maradonas „Hand Gottes“ 1986 in Mexiko-Stadt, die Rote Karte für David Beckham 1998 in Saint-Étienne, Michael Owens Solo im selben Spiel: Kaum ein Duell im Weltfußball ist so mit Bildern und Geschichten aufgeladen.

Für Tuchel wäre der Einzug ins Finale der erste Titelanlauf einer englischen Auswahl seit 1966 unter einem ausländischen Trainer und der Endpunkt eines Turniers voller Wackler: Nach dem 4:2 gegen Kroatien zum Auftakt hatte England zwischenzeitlich gegen Costa Rica und die DR Kongo geschwächelt. Scaloni wiederum kann das erste Team seit Brasilien 1958/1962 werden, das den Titel verteidigt. Der Weltmeister von 2022 ist bislang durch das Turnier gestolpert, ohne wirklich zu überzeugen - drei Verlängerungen in vier K.-o.-Spielen sprechen für sich. Der Sieger trifft im Endspiel am 19. Juli in New York/New Jersey auf den Gewinner des ersten Halbfinales zwischen Frankreich und Spanien am Dienstag in Arlington.