Das kleine Finale der WM 2026 hat einen historischen Ausgang: England hat Frankreich am Samstagabend im Hard Rock Stadium von Miami Gardens mit 4:0 aus dem Turnier geschossen. Sämtliche Treffer der Three Lions fielen in einer ersten Halbzeit, in der die Équipe Tricolore ohne erkennbaren Widerstand zerlegt wurde. Für Didier Deschamps, der nach dem Spiel seine 14 Jahre als Nationaltrainer beendete, war es der bitterst mögliche Abschied - und für Thomas Tuchel der erste hohe Sieg im WM-Endstadium.

Den Auftakt besorgte Declan Rice bereits in der dritten Minute. Fünfzehn Minuten später köpfte Ezri Konsa nach Vorlage von Rice zum 2:0 ein, in der 37. Minute traf Bukayo Saka nach Zuspiel von Marcus Rashford, und kurz vor der Pause stellte derselbe Saka auf Vorlage von Eberechi Eze auf 4:0. Frankreich hatte damit erstmals in der Geschichte seiner Nationalmannschaft in einer ersten Hälfte drei Gegentore hinnehmen müssen - hier waren es vier.

Der venezolanische Schiedsrichter Jesús Valenzuela pfiff bei rund 30 Grad und 75 Prozent Luftfeuchtigkeit an. Kapitän Harry Kane fehlte England verletzt, dennoch startete Tuchel mit sieben Wechseln im Vergleich zum verlorenen Halbfinale gegen Argentinien - und sah, wie die Ersatzformation nach 45 Minuten frei aufspielte. Auch Deschamps rotierte auf sieben Positionen, hielt jedoch an Kylian Mbappé fest, der im Kampf um die Torjägerkanone gegen Lionel Messi jede Minute brauchte. Der Stürmer blieb ohne Treffer, sein Anspruch auf die Auszeichnung hängt nun am Finale in New Jersey.

Ich weiß, dass morgen der Vorhang fällt. Hier wird keiner weinen, aber die französische Nationalmannschaft wird mir fehlen.
- Didier Deschamps, Sportschau

Deschamps' Abschied ohne Trost

Deschamps hatte den Abend am Vortag im Team-Hotel emotional eingeleitet. „Ich bin sehr glücklich und stolz auf alles, was wir mit der Mannschaft erreicht haben“, sagte der Weltmeister von 1998 als Spieler und 2018 als Trainer auf der Pressekonferenz, wie ZDFheute berichtet. „Wir müssen das Spiel respektieren. Es ist eine WM.“ Der Vollzug fiel dann anders aus als erhofft: Nach dem Halbfinal-Aus gegen Spanien wirkte die französische Elf im Hard Rock Stadium ohne Zugriff - insbesondere in der Restverteidigung, wo Rice, Konsa und Saka reihenweise Räume vorfanden.

Auch Tuchel hatte vor der Partie klargestellt, wie beide Lager auf das Spiel um Platz drei blickten. „Niemand von uns oder den Franzosen will dieses Spiel bestreiten. Wir wollten ins Finale“, sagte der englische Bundestrainer laut ZDFheute. „Es gibt noch so viel, was wir verbessern können. Ich bin mehr als glücklich, das zu verantworten.“ Die scharfe Kritik nach dem Halbfinale - unter anderem von US-Präsident Donald Trump, der Tuchel öffentlich vorgeworfen hatte, Kane in die Defensive gestellt zu haben - klang in Miami ins Leere: Der Bundestrainer holte mit einer B-Formation den ersten hohen Sieg der englischen Nationalmannschaft gegen Frankreich seit Jahren.

Golden-Boot-Rechnung offen

Für die Statistik bleibt das kleine Finale ein Spiel mit großer Wirkung: Saka schnürte den ersten Doppelpack der Three Lions bei dieser WM in der K.o.-Runde, Rice und Konsa lieferten die frühen Weichenstellungen. Frankreich reist mit dem vierten Platz und dem Trainerabschied nach Hause, England nimmt Bronze und die Erinnerung mit, in der Hitze Miamis eine unfertige Mannschaft zerlegt zu haben. Alles Weitere richtet sich nun auf das MetLife Stadium in East Rutherford, wo Spanien am Sonntag gegen Argentinien um den WM-Titel spielt - und Messi und Mbappé um den Golden Boot rechnen.