Wie wir am Samstagabend berichteten, hatte England das kleine Finale der WM 2026 in Miami Gardens zur Halbzeit mit 4:0 im Griff. Was danach folgte, ließ die Statistiker das gesamte Turnier neu einordnen: Frankreich glich innerhalb einer Viertelstunde auf 4:4 aus, ehe Bukayo Saka in der 87. Minute per Elfmeter und Jude Bellingham in der 98. Minute mit einem Konter über das ganze Feld den 6:4-Endstand herstellten. Es ist das torreichste WM-Spiel seit 1982.

Der Umschwung begann in der 48. Minute mit Kylian Mbappé, der eine flache Hereingabe von Michael Olise aus kurzer Distanz verwertete. Sechs Minuten später traf Bradley Barcola zum 4:2, verzichtete auf jeden Jubel und trug den Ball selbst zur Mittellinie zurück - ein Signal, das Frankreichs Bank aufgriff. In der 66. Minute schloss Mbappé einen Konter über Ousmane Dembélé zum 4:3 ab. Nach einem Handspiel von Konsa im Strafraum verwandelte Saka den Foulelfmeter zum 5:3 (87.), doch Dembélé traf in der 96. Minute zum 5:4. Erst Bellinghams Alleingang in der achten Minute der Nachspielzeit beendete den Comeback-Versuch der Équipe Tricolore.

Niemand von uns und keiner der Franzosen will dieses Spiel bestreiten. Alle vier Teams wollten in New York sein.
- Thomas Tuchel, Bundestrainer England, laut Goal.com

Mbappé zieht an Messi vorbei

Sportlich prägend war weniger der Spielverlauf als das, was Mbappé auf dem Weg zur Niederlage erledigte: Mit seinen Toren neun und zehn im laufenden Turnier steht der Franzose bei 22 WM-Karrieretreffern und hat damit Lionel Messis Bestmarke von 21 Toren übernommen, wie das Schweizer Fernsehen SRF berichtet. Der Angriff auf Miroslav Kloses ewigen deutschen Rekord von 16 WM-Toren war ohnehin längst entschieden - jetzt löst Mbappé auch Messi als Rekordschützen der WM-Historie ab. Für die Torjägerkanone bleibt allerdings alles offen: Trifft Messi im Finale gegen Spanien noch, hat er wieder die Chance, den Spieß zu drehen.

Der zweite Rekord des Abends fiel auf einen Franzosen, der nur assistierte. Michael Olise bereitete an diesem Samstag zwei Tore vor und steht damit turnierübergreifend bei sieben Vorlagen - ein Wert, der Pelés Bestmarke aus mehreren WM-Endrunden übertrifft, wie ESPN im Anschluss vorrechnete. Auf der anderen Seite erreichte Bellingham mit seinem Tor zum Endstand insgesamt sieben WM-Treffer und ist damit alleiniger englischer Rekordspieler bei Weltmeisterschaften vor Gary Lineker und Harry Kane.

Trainerabschied im Chaos

Für Didier Deschamps war es nach 14 Jahren als Nationaltrainer die letzte Partie. „Das Beste für Frankreich und England wäre, wenn dieses Spiel gar nicht stattfände“, hatte der Weltmeister von 1998 vor dem Anpfiff der Al Jazeera gesagt und darauf verwiesen, dass beide Mannschaften ihren Pflichten nachkommen müssten. Sein Team lieferte am Ende ausgerechnet die spektakulärste Hälfte des gesamten Turniers - und doch reicht es nur zu Platz vier. Deschamps ging ohne öffentliche Abschiedsworte auf dem Rasen in die Kabine.

Thomas Tuchel wiederum durfte den ersten hohen Sieg seiner Amtszeit gegen Frankreich feiern, gleichzeitig aber die Wackligkeit in der zweiten Halbzeit erklären. Er hatte im Vorfeld eingeräumt, keiner in seinem Team wolle das kleine Finale spielen; England habe es dennoch als Chance auf „das beste WM-Ergebnis seit 60 Jahren“ verstanden, wie Goal.com den Bundestrainer zitiert. Am Ende steht Bronze, das erste englische WM-Podium seit dem Titel 1966 - und ein Halbfinal-Aus, das der Trainer bereits mit „keine Reue“ kommentiert hatte. Die Blicke richten sich nun nach East Rutherford: Am Sonntagabend spielen Spanien und Argentinien um den Titel, und Messi hat noch 90 Minuten, um Mbappé den Rekord wieder abzunehmen.