Wie wir am Dienstag berichteten, war das Spiel gegen Kroatien als der härteste Auftakt-Test für Thomas Tuchels England gehandelt worden. Am Mittwochabend im Dallas Stadium von Arlington bestanden ihn die Three Lions mit 4:2 - ein offenes, fehlerhaftes Spiel, in dem Harry Kane zweimal traf, Jude Bellingham direkt nach der Pause für die Vorentscheidung sorgte und Marcus Rashford in der 85. Minute den Schlusspunkt setzte. Schiedsrichter war der Franzose Clément Turpin.

Tuchel hatte Bellingham im offensiven Mittelfeld aufgeboten und auf der rechten Seite überraschend Noni Madueke für den geschonten Bukayo Saka gebracht. England begann konzentriert und ging in der 12. Minute in Führung: Kanes erster Elfmeter wurde von Dominik Livaković zunächst pariert, doch der VAR sah den kroatischen Torhüter zu früh von der Linie - die Wiederholung verwandelte Kane sicher. Es war sein neuntes WM-Tor.

Kroatien antwortete in der 36. Minute. Martin Baturina, beim FC Como der Hoffnungsträger der neuen Generation, traf aus 22 Metern volley unter die Latte. Sechs Minuten später köpfte Kane nach einer Ecke von Declan Rice das 2:1 - sein zehntes Tor bei einer Weltmeisterschaft, mit dem er zu Gary Linekers englischer Rekordmarke aufschloss. Doch noch vor der Pause glich Petar Musa in der fünften Minute der Nachspielzeit per Volleyabnahme zum 2:2 aus. Beim Pausenpfiff stand es 2:2 - und Tuchel wurde im Trinkpausen-Funk laut. Wie Fox-Reporter Geoff Shreeves protokollierte, fuhr der Bundestrainer Torwart Jordan Pickford an: „Do as I told you.“ Pickford widersprach hörbar.

Ich habe das Gefühl, wir sind bereit. Sobald man am Spielort ankommt, spürt man die Spannung und die Vorfreude.
- Thomas Tuchel, vor dem Spiel, gegenüber Englandfootball.com

Bellinghams Direktanschluss

Zwei Minuten nach Wiederanpfiff war die Stimmung im Stadion eine andere. Bellingham nahm einen Pass an der Strafraumkante an, setzte sich gegen Mateo Kovačić durch und schloss flach ins lange Eck ab: 3:2. Es war das schnellste Tor der zweiten Halbzeit, das England an diesem Turnier bereits jetzt gebrauchen konnte. Tuchel hatte vor der Partie auf Englandfootball.com gesagt, seine Mannschaft werde „brave“ auftreten und ein großer Anlass wie dieser werde das Beste herausholen. In dieser Szene löste Bellingham das ein.

Kroatien drückte, kam aber nicht mehr durch. Luka Modrić, der das Spiel mit schwarzer Schutzmaske wegen seines im April erlittenen Jochbeinbruchs bestritt, dirigierte das Aufbauspiel weiter - doch die Kombinationen verfingen sich an einer disziplinierten englischen Restverteidigung. In der 85. Minute lief ein Konter über den eingewechselten Saka, der den Ball flach in den Strafraum zog. Rashford zog von der linken Seite mit dem Innenrist in die lange Ecke ab - 4:2, Spiel entschieden.

Kane stellt sich neben Lineker

Mit dem Doppelpack steht Kane bei zehn WM-Toren und liegt damit gleichauf mit Gary Lineker, der bis dahin die englische WM-Bestenliste anführte. Das nächste Tor wäre Geschichte. Für Tuchel zählte am Mittwoch jedoch zunächst das Tabellenführerschaft: England steht nach dem ersten Spieltag der Gruppe L ganz oben. Am kommenden Dienstag in Boston wartet Ghana, sechs Tage später folgt Panama in Houston. Kroatien spielt parallel in Toronto gegen Panama um den Anschluss.

Die Zahlen unterstreichen den Eindruck, dass Tuchels Mannschaft das Spiel über weite Strecken kontrollierte - der Optastat-Wert für die Expected Goals lag bei 2,36 gegenüber 0,54 für Kroatien. Doch zwei individuelle Schwächen im Aufbau und ein Krachtor von Baturina erinnerten daran, dass es bis ins Endspiel von New Jersey am 19. Juli noch ein weiter Weg ist.