England hat sich am Samstagabend in Miami das WM-Halbfinale gesichert. Beim 2:1 nach Verlängerung gegen Norwegen war Jude Bellingham der überragende Mann auf dem Platz: Der 23-Jährige glich in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit aus und traf in der 93. Minute zum Siegtor, wie wir am Mittwoch als Vorbericht darstellten. Wie die Sportschau berichtet, patzte Norwegens Torhüter Ørjan Nyland vor dem entscheidenden Treffer, als er einen Schuss von Morgan Rogers nicht festhalten konnte - Bellingham schob den Abpraller über die Linie.

In Führung war zunächst die Elf von Ståle Solbakken gegangen. Andreas Schjelderup erzielte in der 36. Minute nach Vorarbeit von Kapitän Martin Ødegaard ein Traumtor mit dem linken Fuß, der Ball schlug am rechten Innenpfosten ein. Bis zur Pausenpfeife hätte Norwegen sich in eine komfortable Ausgangslage bringen können, doch Bellingham traf in der 45.+1 Minute nach Zuspiel von Anthony Gordon per direkter Ballannahme zum 1:1. Bundestrainer Thomas Tuchel reagierte in der Pause und brachte Eberechi Eze und Bukayo Saka für Declan Rice und Harry Kane - Kane hatte in Miami bei 38 Grad Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit sichtbar Probleme.

Spidercam-Reklamation und annulliertes Norwegen-Tor

Der Ausgleich hatte für Diskussionen gesorgt. Norwegen reklamierte, der Ball habe zuvor bei einem Abstoß von Nyland die Aufhängung einer Spidercam berührt. Die FIFA stellte kurz nach dem Spiel klar, dass der Ballsensor keinen Kontakt registriert habe - das Tor zählte. Auch die zweite Halbzeit brachte die Videoschiedsrichter mehrfach ins Spiel: In der 55. Minute annullierte der französische Referee Clément Turpin ein vermeintliches 2:1 durch Innenverteidiger Torbjørn Lysaker Heggem, weil Erling Haaland kurz zuvor Englands Verteidiger Ezri Konsa umgestoßen hatte. Kurz nach Bellinghams Siegtor entschied Turpin zunächst auf Foulelfmeter für England, korrigierte sich nach VAR-Konsultation jedoch.

Insgesamt hatten wir heute Glück. Wir haben schlampig und langsam gespielt, viele Fehler gemacht.
- Thomas Tuchel, England-Trainer, gegenüber ITV

Tuchel gab sich nach dem Abpfiff kritisch. „Insgesamt hatten wir heute Glück“, sagte der 52-Jährige laut ITV, „wir haben schlampig und langsam gespielt, viele Fehler gemacht.“ Bellingham hingegen wurde vom Bundestrainer als „Weltklasse“ bezeichnet. Der Real-Madrid-Profi stand nach dem Schlusspfiff selbst vor den Kameras: „Wir haben wieder einen Weg gefunden zu gewinnen. Das ist ein Sieg für alle, für das gesamte Land“, sagte er. Nach dem Achtelfinal-Hattrick von Bellingham gegen Mexiko war es sein bereits sechstes Turniertor - Harry Kane bleibt bei sechs, Haaland bei sieben.

Solbakken verteidigt Haaland-Auswechslung

Diskussionsstoff lieferte auch Solbakkens Entscheidung, Haaland in der 105. Minute für Jørgen Strand Larsen vom Feld zu nehmen. Der Manchester-City-Stürmer hatte 120 Minuten Verlängerung gegen Brasilien im Achtelfinale in den Knochen und war laut Blick sichtbar erschöpft. „Wir haben die Entscheidung gemeinsam getroffen, Erling war leergelaufen“, sagte Solbakken auf der Pressekonferenz. Für die skandinavische Elf endet damit das erste WM-Turnier seit 1998 - und das erste Viertelfinale einer norwegischen Herrenauswahl bei einem großen Turnier überhaupt. Im Halbfinale trifft England am kommenden Mittwoch um 21 Uhr MESZ in Atlanta auf Argentinien, das sich zeitgleich im zweiten Viertelfinale mit 3:1 nach Verlängerung gegen die Schweiz durchsetzte. ARD und MagentaTV übertragen.