England hat das WM-Halbfinale erreicht. Im Viertelfinale von Miami setzten sich die Three Lions am Samstagabend im Hard Rock Stadium mit 2:1 nach Verlängerung gegen Norwegen durch. Matchwinner war Jude Bellingham: Der Real-Madrid-Profi glich in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit aus und schob in der Verlängerung nach einem Patzer von Torhüter Örjan Nyland zum Endstand ein. Andreas Schjelderup hatte Norwegen in der 36. Minute mit einem sehenswerten Linksschuss in Führung gebracht.

Wie wir vor der Partie berichteten, wollten die Norweger im Hard Rock Stadium Geschichte schreiben - noch nie hatte eine skandinavische Herren-Auswahl aus Oslo bei einer Welt- oder Europameisterschaft das Halbfinale erreicht. Nationaltrainer Ståle Solbakken hatte den Traum genährt, im Turnier bis zum Schluss habe seine Elf gezeigt, dass sie mit den ganz Großen mithalten könne. Für 92 Minuten trug das Konzept. Dann entriss Bellingham den Skandinaviern die Kontrolle.

Schjelderups Führung folgte einem der schönsten Turniertreffer: Nach Ballgewinn im Mittelfeld zog der Angreifer aus spitzem Winkel ab, der Ball flog in den Winkel. England, das laut ZDFheute in der ersten Halbzeit 69 Prozent Ballbesitz gehabt hatte, ohne wirklich gefährlich zu werden, brauchte einen Moment Bellinghams: In der Nachspielzeit setzte sich der 23-Jährige an der Strafraumkante gegen zwei Verteidiger durch und schloss flach ab. Kurios: Der Ball berührte im Anlauf eine Übertragungskamera. Die FIFA erklärte den Treffer für regulär.

Nach der Pause drehte sich die Statik. Norwegen bestimmte die Partie, ein Kopfballtor von Torbjörn Heggem (55. Minute) wurde vom Videoschiedsrichter wegen eines Foulspiels von Erling Haaland an einem englischen Verteidiger annulliert. Kristoffer Ajer traf die Latte, Nyland parierte gegen Djed Spence und Bukayo Saka. In der Verlängerung nahm Schiedsrichter Clement Turpin einen Elfmeter für England nach VAR-Studium zurück. Dann folgte der Bruch: Ein Distanzschuss von Morgan Rogers rutschte Nyland durch die Hände, Bellingham war zur Stelle.

Für Haaland endete das Turnier bitter. Der Manchester-City-Stürmer, der mit sechs Toren die WM-Torschützenliste anführt, blieb erstmals ohne eigenen Treffer und wurde in der Halbzeit der Verlängerung ausgewechselt. Solbakken hatte seinem Star zwei Tage vor dem Spiel bei t-online eine ungewöhnliche Ansage mit auf den Weg gegeben. „Der Hunger ist nicht so groß im Training“, sagte der 58-Jährige - eine Kritik, die im Spiel nachhallte, als Haaland sichtbar erschöpft vom Feld ging. Bellingham dagegen zieht mit sechs Turniertreffern mit Harry Kane gleich und liegt nur noch einen Treffer hinter dem Norweger.

Halbfinale am Mittwoch in Atlanta

Für England, das laut sportschau.de erst zum dritten Mal in seiner WM-Geschichte im Halbfinale steht, geht es am Mittwoch in Atlanta weiter. Gegner ist der Sieger des noch laufenden Viertelfinales zwischen Titelverteidiger Argentinien und der Schweiz, das am frühen Sonntagmorgen deutscher Zeit im Arrowhead Stadium in Kansas City ausgetragen wird. Trainer Thomas Tuchel hatte vor dem Norwegen-Spiel gemahnt, die Elf dürfe nicht zu weit vorausschauen - eine Zurückhaltung, die sich nach einem der zähesten Abende dieser WM auszahlte.