Die österreichische Schauspielerin und Regisseurin Erni Mangold ist tot. Wie ihr langjähriger Agent Klaus Kelterborn am Samstag der Austria Presse Agentur bestätigte, starb Mangold in der Nacht auf Samstag in einem Wiener Alten- und Pflegeheim. Sie wurde 99 Jahre alt. „Die Erni war eine energische und zähe Person", sagte Kelterborn.

Mangolds Bühnenkarriere umspannte mehr als sieben Jahrzehnte. Nach dem Zweiten Weltkrieg absolvierte sie ihre Ausbildung an der Wiener Schauspielschule Krauss und trat 1946 erstmals auf einer Bühne auf. Mit 19 Jahren erhielt sie ein Engagement am Theater in der Josefstadt in Wien - jenes Haus, an dem sie 2017 mit 90 Jahren in „Harold und Maude" ihre letzte Rolle spielte. Dazwischen lagen Verpflichtungen am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg unter Gustaf Gründgens, am Düsseldorfer Schauspielhaus und an weiteren führenden Bühnen im deutschsprachigen Raum, wie der ORF berichtet.

Vor der Kamera stand Mangold in mehr als 130 Film- und Fernsehproduktionen. Zu ihren bekanntesten Kinorollen zählen die Wahrsagerin in Richard Linklaters „Before Sunrise" von 1995, die Franz-Antel-Komödie „Der Bockerer" und Istvan Szabós „Hanussen". Für ihre Rolle einer an Alzheimer erkrankten Tänzerin in „Der letzte Tanz" wurde sie 2015 mit dem Österreichischen Filmpreis als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet, wie das Mindener Tageblatt berichtet. Im Fernsehen war sie unter anderem in „Tatort", „Kommissar Rex", „Der Alte" und „Der Bulle von Tölz" zu sehen.

Die Erni war eine energische und zähe Person.
- Klaus Kelterborn, Agent, gegenüber der APA

Als Persönlichkeit galt Mangold als kompromisslos. Sie sprach früh und offen über sexuelle Übergriffe und Machtmissbrauch am Theater und wandte sich, wie ORF und exxpress festhalten, jahrzehntelang öffentlich gegen Sexismus im Kulturbetrieb. 2011 erschien ihre Autobiografie unter dem programmatischen Titel „Lassen Sie mich in Ruhe".

Vom Waldviertel bis Hollywood

Geboren wurde Erni Mangold am 26. Jänner 1927 als Ernestine Goldmann in Großweikersdorf im niederösterreichischen Bezirk Tulln. Von 1958 bis 1978 war sie mit dem deutschen Schauspieler Heinz Reincke verheiratet. Zwischen ihrem Bauernhof im Waldviertel und Wien pendelte sie bis ins hohe Alter. Von 1984 bis 1995 unterrichtete sie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, auch am Salzburger Mozarteum und am Max-Reinhardt-Seminar gab sie ihr Wissen weiter.

Für ihr Werk erhielt sie unter anderem den Nestroy-Ring, den Großen Diagonale-Schauspielpreis, das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst sowie 2022 den Platin-Romy für das Lebenswerk. 1999 wurde ihr der Titel Kammerschauspielerin verliehen. In der Gemeinde Sankt Leonhard am Hornerwald ist heute ein Weg nach ihr benannt.