Am Tag der Deutschen Einheit haben sich am Samstag in mehr als 90 Städten Menschen zu einer bundesweiten Menschenkette unter dem Motto „Es brennt“ zusammengefunden. Die Aktion wird von einem Bündnis aus über 130 Organisationen getragen, darunter die Deutsche Umwelthilfe, Fridays for Future, Greenpeace, BUND Naturschutz, Extinction Rebellion sowie die Omas und Parents for Future. Hauptstrecke ist eine symbolische Verbindung vom Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe bis zum Bundeskanzleramt in Berlin, die in lokalen Abschnitten gebildet wird.

In Karlsruhe eröffnete die Initiatorin Maiken Winter die Auftaktkundgebung um 10.30 Uhr am Großherzog-Karl-Friedrich-Denkmal auf dem Schlossplatz. Ab 11.15 Uhr baute sich die Kette in Richtung Berlin auf, um 12 Uhr sollte sie geschlossen sein. Nach Angaben des Veranstalters nahmen in der badischen Stadt rund 1.800 Menschen teil. In Hamburg zählte die Polizei etwa 350 Teilnehmer, das Bündnis selbst sprach von rund 500. Deutschlandweit sollen laut Veranstalter mehr als 20.000 Menschen in über 100 Städten an der Aktion beteiligt gewesen sein, wie das Portal ms-aktuell berichtet.

Wir stehen auf - nicht gegen jemanden, sondern für etwas: für ein gutes Leben für alle, heute und in Zukunft.
- Maiken Winter, Initiatorin „Es brennt“, gegenüber ka-news

Das Bündnis hat seinen Aufruf bewusst auf den 3. Oktober gelegt. Fünf Forderungen stehen im Zentrum: die konsequente Einhaltung des Grundgesetzes, der Erhalt der Lebensgrundlagen, eine Politik, die „das Wohl aller vor den Profit weniger“ stellt, der konsequente Vorrang erneuerbarer Energien sowie Änderungen bei Mobilität, Ernährung und Wohnen. Die Veranstalter verweisen dabei auf Artikel 20a des Grundgesetzes und auf das Klima-Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2021, das den Staat zu einer verfassungskonformen Klimapolitik verpflichtet.

Breites Bündnis, choreografierter Ablauf

Die Arbeitsgemeinschaft „Menschenkette es brennt“ ist aus einer Signal-Gruppe hervorgegangen und wurde in den vergangenen Monaten zu einem Zusammenschluss aus Umwelt-, Kirchen- und Bildungsinitiativen. Protect the Planet, die Evangelische Kirche in ihrer Umweltarbeit, Teachers for Future und zahlreiche kommunale Verkehrs- und Energiewende-Initiativen stehen hinter dem Aufruf. Pressenza zufolge formuliert Winter das Ziel so, man wolle „Menschen zusammenbringen, die sonst selten nebeneinander stehen“.

Choreografisch ist die Aktion dreigeteilt: Zehn Minuten lang halten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schweigend an den Händen, danach heben sie fünf bis zehn Minuten lang weiße Blätter in die Höhe als Symbol für einen politischen Neuanfang, bevor sich eine offene Kundgebungsphase anschließt. In Leipzig wurde die Kette auf der Karl-Liebknecht-Straße gebildet, in Aachen zog sie grenzüberschreitend aus dem belgischen Kelmis bis zum Aachener Dom, wie die Leipziger Internet Zeitung und die Lokalpresse berichten.

Nicht überall gelang die geplante Form: In Hamburg kam die ursprünglich am Binnenalster-Rundlauf angedachte Kette nicht zustande, stattdessen stellten sich die Demonstrierenden auf der Reesendammbrücke auf. Der Karlsruher Mitorganisator Klaus Heid sprach dennoch gegenüber ka-news von einer gelungenen Aktion mit „ausgezeichneter und positiver“ Stimmung. Raphael Thelen, Sprecher auf Bundesebene, nannte das Ergebnis einen „Eindruck des Widerstands“, der sich über das ganze Land gezogen habe.

Während in Bremen gleichzeitig die offizielle Einheitsfeier mit Bundespräsident Steinmeier und Kanzler Merz lief, wollen die Veranstalter mit ihrer Aktion ein zweites Bild des 3. Oktober setzen: nicht Staatsakt, sondern Zivilgesellschaft. Dass der Tag der Einheit zum ersten Mal seit Jahren wieder als Protesttermin gegen den klimapolitischen Kurs der Bundesregierung genutzt wird, dürfte in Berlin registriert werden - zumal die Hauptstrecke buchstäblich vor dem Kanzleramt endet.