Sergio Leones letzter Film hat einen kleinen, späten Auftritt im linearen Fernsehen bekommen. Arte zeigte „Es war einmal in Amerika“ am Montagabend zur besten Sendezeit ab 21:50 Uhr, eine Wiederholung steht am 22. Juni um 22:55 Uhr im Programm. Wer den Montagstermin verpasst hat, kann das Gangster-Epos parallel über die Arte-Mediathek streamen, wie TV Movie und Spielfilm.de bestätigen.

Der Film ist aus mehreren Gründen ein Ereignis: 220 Minuten Laufzeit, eine Romanvorlage von Harry Grey und eine Erzählung, die sich über fast ein halbes Jahrhundert in der jüdischen Unterwelt New Yorks erstreckt. Robert De Niro spielt den Gangster David „Noodles“ Aaronson, James Woods seinen Freund und Geschäftspartner Max, Elizabeth McGovern die Geliebte Deborah. Leones Drehbuch entstand gemeinsam mit Leonardo Benvenuti, Piero De Bernardi und weiteren Autoren - eine fast 15 Jahre lange Vorproduktion, an deren Ende der Regisseur sein Lebensthema verfilmte: den Mythos Amerika.

Vom Cannes-Triumph zum US-Desaster

Die Premiere lief am 19. Mai 1984 beim Filmfestival in Cannes, wie die deutsche Wikipedia notiert. In Europa erschien der Film in der vom Regisseur autorisierten Langfassung. In den USA brachte Warner Bros. eine drastisch gekürzte Schnittfassung von rund 139 Minuten in die Kinos - mit chronologisch umgestellten Szenen, ohne Leones komplexes Rückblendenkonstrukt. Das Ergebnis: kommerzieller und kritischer Misserfolg, dem der Ruf des Films jahrelang nachhing.

Erst in den 1990er Jahren rehabilitierten Kritik und Publikum das Werk; spätere Director's-Cut-Fassungen mit über vier Stunden Laufzeit gelten heute als endgültige Version. Der Filmdienst beschreibt Leones Erzählweise als „melancholischen Abgesang auf die Ideale des American Dream“, der „an moderner Macht- und Profitgier zerbrechen muss“ - ein „aktualisiertes Amerika-Epos von ausufernder Pracht, klassischem Format und mythischer Wucht“.

Aktualisiertes Amerika-Epos von ausufernder Pracht, klassischem Format und mythischer Wucht.
- Filmdienst

Für Arte ist die Doppel-Programmierung kein Zufall. Der Sender hatte Anfang Juni bereits Leones „Todesmelodie“ in die Mediathek geholt; mit „Es war einmal in Amerika“ schließt sich der Bogen zur sogenannten Amerika-Trilogie. Beide Filme erzählen vom Verlöschen einer Welt - die einen reiten in eine endende Wildnis, die anderen klauen sich durch das jüdische Manhattan auf der Suche nach einem Glück, das Noodles selbst sabotiert. Dass Arte dafür Sendeplätze freiräumt, in denen ringsum die WM-Vorberichterstattung tobt, ist eine programmpolitische Ansage: Auch im Sommer 2026 gibt es ein Publikum für 220 Minuten Italo-Erzählkino.