Durch den 70. Eurovision Song Contest in Wien führten Victoria Swarovski und Michael Ostrowski - und über kaum etwas wurde an diesem ESC-Wochenende so viel diskutiert wie über das Moderationsduo des ORF. Schon die Eröffnung des ersten Halbfinales löste im Netz Spott aus, bis zum Finale am Samstag riss die Kritik nicht ab. Der ORF zog die Konsequenz und reduzierte den Auftritt der beiden in der Schlussshow sichtbar.

Spott von der ersten Show an

Den Anfang machte eine Eröffnungsnummer mit Wasser- und Feuereffekten, mit der Swarovski und Ostrowski das Halbfinale aufzogen. Auf der Plattform X überschlugen sich die Reaktionen. „Was für eine schrecklich schlechte Eröffnung. Sollte das lustig, witzig oder gut sein? Totaler Reinfall!“, schrieb ein Nutzer, wie t-online dokumentierte. Weitere Kommentare lauteten „Intro aus der Hölle“, „Die Moderation tut dieses Jahr echt weh“ und „Schlimmstes Eurovision-Moderatoren-Duo aller Zeiten“.

Reibung bot vor allem Ostrowskis Garderobe. Sein Finaloutfit - laut dem Portal Joyn ein „samtig funkelndes, lilafarbenes Ensemble mit tiefem V-Ausschnitt und breitem Kummerbund“ - verglichen Zuschauer mit einem Pyjama, mit Aladin und mit einem Zauberer, „lächerlich“ war eine der häufigeren Zuschreibungen. Auch die Moderation selbst geriet in die Kritik: Das Duo nehme mit langen Anmoderationen sowie Gesangs- und Tanzeinlagen zu viel Raum ein, der eigentlich den Acts der teilnehmenden Länder zustehe.

Vor dem Finale gaben sich beide unbeeindruckt. „Es wird immer jemanden geben, der jammert“, sagte Swarovski dem Portal oe24. Ostrowski erklärte zur Kritik schlicht: „Ich blende das aus.“ Bei der Pressekonferenz am Mittwoch im Medienzentrum hatte er den Job nüchtern eingeordnet: „Es ist ein Marathon.“

Es wird immer jemanden geben, der jammert.
- Victoria Swarovski, gegenüber oe24

Im Finale am Samstag griffen die beiden den Spott offensiv auf. „Wir sitzen hinter der Bühne, starren auf unsere Handys und checken eure Social-Media-Beiträge“, sagte Swarovski live auf der Bühne. „Das tun wir wirklich, ja“, ergänzte Ostrowski und fügte hinzu: „Millionen von euch teilen ihre Gedanken, und ich habe sogar ein paar tolle Modetipps bekommen.“ Mit „Und vielen Dank für all die Komplimente“ quittierte er die Häme.

Wie der ORF im Finale reagierte

Der ORF zog Konsequenzen. Für das Finale waren Swarovski und Ostrowski nach Berichten über die Proben deutlich weniger präsent. Die Eröffnung übernahm der Vorjahressieger JJ, Greenroom-Moderatorin Emily Busvine bekam mehr Aufgaben, und die Bühne gehörte stärker den Künstlern. Verantwortlich für die Show zeichnete Regisseur Mischa Zickler unter ORF-Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz.

Optisch setzte vor allem Swarovski Akzente. Sie wechselte mehrfach das Outfit - von einem grünen Glitzerkleid zu einer fliederfarbenen Robe mit überlanger Schleppe - und trug nach Angaben von Salzburg24 Schmuck der Marke Chopard im Wert von 4,5 Millionen Euro. Im Publikum saßen ihr Partner Mark Mateschitz sowie ihre Mutter und ihre Schwester. Das Interesse blieb hoch: Das ESC-Programm in ORF 1 erreichte am 14. Mai laut ORF im Schnitt 1,859 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer.

Im Wettbewerb selbst endete der Abend mit einem Novum: Bulgarien gewann mit Dara erstmals den Eurovision Song Contest, Deutschland landete mit Sarah Engels auf Platz 23. In Erinnerung bleiben dürfte aus deutscher und österreichischer Sicht aber vor allem die Moderation - jener Teil des Abends, über den in Wien am meisten gestritten wurde.