Bulgarien hat den 70. Eurovision Song Contest gewonnen. Die Sängerin Dara setzte sich am Samstagabend im Finale in der Wiener Stadthalle mit dem Titel „Bangaranga“ und 516 Punkten durch - es ist der erste ESC-Sieg für das Land überhaupt, ausgerechnet bei seiner Rückkehr in den Wettbewerb. Mit dem Triumph hatte vor dem Finale kaum jemand gerechnet.
Wie wir nach dem zweiten Halbfinale berichteten, war Deutschland mit Startnummer 2 in eine als undankbar geltende Position gerutscht. An der Spitze des Feldes spielte das keine Rolle: Die Wettbüro-Favoriten lieferten nicht. Finnland mit Pete Parkkonen und Linda Lampenius, vor dem Finale klarer Spitzenreiter der Buchmacher, und Australien mit Delta Goodrem blieben ohne Sieg. Bulgarien zog im Verlauf des Abends an ihnen vorbei.
Zum zweiten Mal in Folge wurde Israel Zweiter. Noam Bettan kam mit „Michelle“ laut dem Liveblog des Tagesspiegel allein auf 220 Punkte aus dem Publikumsvoting und damit auf den stärksten Televote-Wert des Abends - es reichte aber nicht für den Sieg. Die Platzierung dürfte die Debatte um Israels Teilnahme weiter befeuern, die den diesjährigen Wettbewerb über Wochen geprägt hatte.
Durch den Abend führten Victoria Swarovski und Michael Ostrowski, im Greenroom moderierte Emily Busvine. Reibungslos verlief die Übertragung nicht: Im Finale kam es laut Liveticker zu einer Technik-Panne.
Boykott und Proteste in Wien
Fünf Länder verzichteten aus Protest gegen Israels Teilnahme ganz auf einen Start: Spanien, die Niederlande, Irland, Island und Slowenien blieben dem Finale fern. Vor der Wiener Stadthalle demonstrierten nach Angaben der Polizei rund 2.000 Menschen unter dem Motto „Keine Bühne für den Völkermord“; angemeldet waren etwa 3.000. Die Wiener Polizei bezeichnete die Lage am Abend als „sehr ruhig“, größere Zwischenfälle blieben aus.
Keine Bühne für den Völkermord
Für Deutschland endete der Abend ernüchternd. Sarah Engels landete mit „Fire“ auf Platz 23 von 25 und damit unter den letzten drei. Acht Punkte kamen von den internationalen Jurys, aus dem Publikumsvoting kein einziger - null Televote-Punkte. In der Gesamtwertung standen zwölf Zähler. Die früh im Abend absolvierte Startposition 2, die unter ESC-Fans als Handicap gilt, hatte sich nicht ausgezahlt.
Für Bulgarien ist der Sieg ein Einschnitt: Das Land war nach mehreren erfolglosen Jahren zwischenzeitlich nicht mehr am Wettbewerb beteiligt gewesen. Mit dem ersten Platz geht die Ausrichtung des ESC 2027 aller Voraussicht nach an einen bulgarischen Sender - erstmals in der Geschichte des Wettbewerbs.